Kommunikation und Lernfähigkeit

Die Anpassung an den Klimawandel durch die Entwicklung nachhaltiger und resilienter Systemen -erfordert ein hohes Maß an Problembewusstsein, Verständnis für komplexe Zusammenhänge und Wissen um den Umgang mit Unsicherheiten. Die Dauer von Veränderungsprozessen und die oft damit verbundene Unsicherheit der Wirkung erfordert die Stärkung der Lernfähigkeit der Region.
Zwei grundlegende Bausteine müssen hierfür umgesetzt werden:

  • Der erste ist die Information, Sensibilisierung und Beteiligung sowohl der breiten Öffentlichkeit als auch von Entscheidungsträgern.
  • Der zweite ist der notwendige Kompetenzaufbau in Institutionen mit Informations- und Analysetools für Entscheidungsträger, die geeignet sind, Konfliktbewältigung und damit verbundene Partizipationsmethoden zu unterstützen.

A. Sensibilisieren, informieren, beteiligen!

Zielgruppenorientierte Kommunikation und Information
Die Maßnahmen zur erfolgreichen Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen in der Region berühren nahezu alle gesellschaftlichen Gruppen. Da ein mangelndes Bewusstsein und Wissen hinsichtlich der Auswirkungen des Klimawandels und der Notwendigkeit von Klimaanpassungsmaßnahmen besteht, muss eine zielgruppenorientierte Kommunikation und Information erfolgen. Dies bedeutet, dass Akteure aus der Wirtschaft, Politik, Verwaltung und die Zivilgesellschaft über diese Themen informiert werden, basierend auf ihren zielgruppenspezifischen Bedürfnissen und jeweiligen Handlungsrahmen. Diese zielgruppenorientierte Kommunikation und Information erleichtert das Verständnis über mögliche Folgen des Klimawandels sowie geeignete Anpassungsmaßnahmen und ist eine notwendige Voraussetzung für die wissensbasierte Durchführung von Maßnahmen zur Steigerung der Klimaanpassung und der Resilienz. Kurzfristig muss folgende Voraussetzung geschaffen werden:

  • Die Schaffung von entsprechenden Stellen mit notwendigen Ressourcen, die Informationen zielgruppenorientiert bündeln, aufbereiten und verteilen.

Mögliche Kommunikations- und Informationsmaßnahmen zum Thema „Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ sind:

  • praxisorientierte Aufbereitungen der Möglichkeiten des planerischen Umgangs mit den Folgen des Klimawandels für die regionale und lokale Planungsebene (z. B. in Form von Arbeitshilfen, Leitfäden oder Weiterbildungsworkshops),
  • Bereitstellung von internetgestützten Informationsangeboten (z. B. Geoinformationssysteme zur Darstellung von Klimawandel-Betroffenheiten bzw. von Gefahren- und Risikokarten, Entscheidungsunterstützungssysteme zur Darstellung von Anpassungsoptionen) für verschiedene Wirtschafts- und Planungsbereiche sowie für interessierte Bürgerinnen und Bürger,
  • Bereitstellung von entscheidungsvorbereitenden Unterlagen für die Politik,
  • Erstellung von zielgruppenspezifischen Informationsmaterialien (z. B. Broschüren, Ausstellungen, Animationen, Web2.0 Angeboten),
  • Durchführung von Informationsveranstaltungen (z. B. Bürgerversammlungen, Vortrags- und Diskussionsforen).
  • eine dialogorientierte Risikokommunikation im Kontext der Planung von Küstenschutzmaßnahmen. Insbesondere für neue Küstenschutzstrategien, kann eine in ein integriertes Risikomanagement eingebettete Risikokommunikation vorteilhaft sein, da durch die Schaffung einer „Risikokultur“ auch die individuelle Risikovorsorge verbessert wird. Für die Information über Überflutungsrisiken kann an die aktuellen Aktivitäten zur Umsetzung der EG-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie angeschlossen werden, die eine Bewertung und ein Management von Hochwasserrisiken auch im Küstengebiet erforderlich macht

Lernende Netzwerke
Damit unterschiedliche Gruppen an der Lösung der Herausforderungen in der Region mitwirken können und bei der Planung und Entscheidung von Klimaanpassungsmaßnahmen beteiligt sind, ist eine verbesserte Kommunikation zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen notwendig. Gleichzeitig sollten in den Orientierungen für Empfehlungen neben den Zielen der Anpassungsfähigkeit auch die Kriterien der Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. Sogenannte lernender Netzwerke können eine wichtige Grundlage für eine erhöhte politische Teilhabe von Bürgerinnen und Bürger darstellen. Diese müssen wie folgt gestaltet werden:

  • eine heterogene Beteiligung, welche sich aus Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher gesellschaftlicher Bereiche zusammensetzt und neben dieser paritätischen Besetzung auch inhaltlich Genderexpertise einbezieht
  • ein neu zu schaffender regionaler Klimarat als Beratungs- und Empfehlungsgremium (siehe dazu Thema 7 Klimaanpassung in Institutionen) könnte dafür die zentrale Plattform bieten.
  • auf bestehende informelle Planungsansätze und -prozesse (z. B. Regionalmanagement (siehe dazu Thema 2 Flächennutzungskonflikte und Thema 7 Klimaanpassung in Institutionen), Integriertes Küstenzonenmanagement (IKZM), integrierte ländliche Entwicklung (ILE)) sollte aufgebaut werden.
  • langfristig ist die Verbindlichkeit von partizipativ erstellen Strategien und Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels herzustellen. Dafür sollten die Ergebnisse informeller Beteiligungs- und Kooperationsinstrumente durch Abwägungsprozesse in formelle Pläne und Programme überführt werden.

Bildungsarbeit
Die Bewältigung der klimawandelbedingten Veränderungen erfordert die Aneignung bzw. Erweiterung von Methodenkompetenzen, die Bereitstellung von entsprechenden personellen und finanziellen Ressourcen wie die Schaffung geeigneter Fortbildungsmöglichkeiten. Gleichzeitig sollte in der Bildungsarbeit das Thema Klimaanpassung nicht nur als Bestandteil des Schulunterrichts integriert werden, sondern auch in die Curricula an Universitäten und in Ausbildungspläne/ Weiterbildungsstrukturen etabliert werden. Eine wesentliche Grundvo-raussetzung für Verständnis und Umsetzbarkeit ist die Koppelung von Theorie und Praxis, um effektiv die Herausforderung durch den Klimawandel managen zu können.
Konkrete Maßnahmen, die kurzfristig umzusetzen sind:

  • Die Weiterqualifizierung von z.B. Handwerkern oder Pflegepersonal muss durch entsprechende Bildungsangebote auch zum Thema Klimaanpassung ergänzt werden.
  • Im Gesundheitsbereich müssen Fort- und Ausbildung für Ärzte, Pflegekräfte aber auch für Personal in Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialsystems erfolgen.
  • Klimawandelbedingte Gesundheitsrisiken, deren Prävention und Therapie sollten in das jeweilige betriebliche Gesundheitsmanagement von Unternehmen einbezogen werden.
  • Die Erarbeitung und Bereitstellung von Informations- und Lehrmaterialien zum Thema „Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ für den Einsatz in Schulen, ggf. auch internetbasierte Plattformen mit digital zu lösenden Aufgabenstellungen helfen, auch die breite Bevölkerung zu sensibilisieren.

Bereitstellung von Produktinformationen durch Unternehmen
Die Stärkung der Eigenkompetenz und Eigenverantwortung der Handelnden über die Bereitstellung von z.B. erweiterten Produktinformationen, ist die Voraussetzung auf den Weg zu klimaangepassten Verhaltensweisen. Hierfür wäre es erforderlich, dass:

  • Wertschöpfungsketten mit ihren jeweiligen vor- und nachgeschalteten Prozessen transparent in ihrer Wirkung auf das Klima gestaltet werden.
  • Umgekehrt sind die Folgen des Klimawandels auf diese Prozessschritte hin zu unter-suchen, um evtl. negative Wirkungen im Rahmen des Risikomanagements zu berücksichtigen
  • Der Handel, die Zulieferer wie auch Produzenten umfangreiche Dokumentations- und Informationspflichten erfüllen.

Hinweise für Endverbraucher vereinfachen
Um dem Problem einer Informationsüberflutung der Verbraucher und Verbraucherinnen und einer damit verbundenen schwierigen Überprüfbarkeit der gemachten Aussagen zu begegnen, müssen die Hinweise für Endverbraucher vereinfacht werden.

  • Bis 2030 sollten neue Einkaufstechnologien (z.B. IT gestützt) etabliert werden
  • Bis 2030 das Verhältnis zwischen Handel und Verbrauchern ändern (z.B. per Smart-phone abrufbare Produktinformationen, automatisierter Einkauf von Basisprodukten, Einkauf von Delikatessen im lokalen Geschäft).
  • Hinweise zur CO2-Kennung für regionale Produkte (inkl. Fußabdruck der Unterneh-men) sollten finanziell gefördert werden und helfen bei der Einkaufsentscheidung. So ist bspw. die CO2-Kennung für regionale Produkte mit dem des ökologischen Fußab-druck des herstellenden Unternehmens durch finanzielle Anreize zu befördern.

B. Notwendiger Kompetenzaufbau in Institutionen

Kompetenzaufbau bei Entscheidungsträgern und Institutionen
Für eine erfolgreiche Umsetzung von Maßnahmen zur Klimaanpassung und zur Steigerung der Resilienz ist es essentiell, faire Aushandlungsprozesse zwischen unterschiedlichen Akteuren und Interessengruppen zu gestalten und den inneren Zusammenhalt in der Region zu stärken. Um dies sicherzustellen, müssen Entscheidungsträger und Institutionen über die notwendigen Kompetenzen verfügen. Öffentliche Institutionen, die Wissenschaft und die Wirtschaft stehen dabei in der Verantwortung, Informationen so aufzubereiten und zu kommunizieren, dass sie für die breite Bevölkerung nicht nur zur Verfügung stehen, sondern auch leicht verständlich sind. Dementsprechend sind zentrale kurzfristig umzusetzende Maßnahmen:

  • die Förderung von erweiterten Kommunikationskompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in öffentlichen Institutionen sowie in der Wirtschaft und Wissenschaft,
  • die Bereitstellung von ausreichenden Ressourcen für ein Kompetenzzentrum Klimakommunikation.

Aufbau einer breiten Wissensbasis
Ein wesentliches Element der Klimaanpassung ist der Aspekt des Handelns unter Unsicherheit. Unsicherheiten entstehen dadurch, dass Entscheidungen und Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels nicht auf exakten Erfahrungswerten, sondern lediglich auf Modellannahmen der Zukunft basieren – die sog. Spannbreiten potenzieller Klimaveränderungen. Dieses Defizit lässt sich mit einem Aufbau einer breiten Wissensbasis adressieren. Um dies umzusetzen müssen folgende Maßnahmen umgesetzt werden:

  • die Durchführung von Betroffenheits-/ Vulnerabilitätsanalysen in ausgesuchten Handlungsfeldern (aufbauend auf die Vulnerabilitätsanalyse von ‚nordwest2050‘ (Bericht Nr. 2).
  • Bereitstellung der erforderlichen Daten und Informationen auf zielgruppengerechten Wissensdatenbanken
  • die jeweiligen Datengrundlagen müssen durch neue Forschungsergebnisse kontinuierlich ergänzt und verbessert werden,
  • Aufbau eines Indikatoren gestützten Monitoringsystems (hierzu wird ein separates Kapitel geschrieben).