Infrastrukturen

5 Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von Infrastrukturen sicherstellen/ Sicherung kritischer Infrastrukturen

Ausgangslage/Zusammenfassung

Infrastrukturen sichern die effiziente Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft mit essentiellen Gütern und Dienstleistungen und sind daher ein Brückenpfeiler der Wirtschaft und des Wohlstands. Durch den Klimawandel, aber auch durch andere nationale und globale Veränderungen kommen diese Strukturen unter Druck und müssen angepasst werden. Die Veränderungsprozesse, seien es steigende Meeresspiegel und zunehmende Extremereignisse, die nationale Energiewende oder die anhaltende Globalisierung der Wirtschaft sind durch hohe Veränderungsraten und eine schwere Prognostizierbarkeit gekennzeichnet. Hierbei werden nicht nur technische Innovationen und ressourcenschonende Praktiken verstärkt gefordert, sondern es muss im Dialog mit der Öffentlichkeit ein Gleichgewicht zwischen Risikovorsorge und Eingriffen in die Lebenswelt der Bevölkerung hergestellt werden. Daraus erwächst die Notwendigkeit, die bestehenden Infrastrukturen nicht nur an vorauszusehende Veränderungen anzupassen, sondern sie darüber hinaus mit Flexibilisierungsoptionen auszustatten und gegebenenfalls durch alternative Systeme zu ersetzen. Dabei müssen Finanzierbarkeit und Vorsorge gut gegeneinander abgewogen und Gelegenheitsfenster genutzt werden.

Infrastrukturen sichern durch Ausbau, Umbau oder Entlastung

Im Rahmen des Klimawandels müssen die Infrastrukturen der Region gestärkt, zum Teil aber auch umgebaut werden. Insbesondere im Küstenschutz und im Energiebereich hilft es dar-über hinaus, wenn die Ansprüche an die Infrastrukturen gesenkt werden können, z.B. durch Maßnahmen der Effizienzsteigerung und Ressourcenschonung oder durch einen breit angelegten Risikodiskurs.

Ein Beispiel für die Abwägungsproblematik zwischen Stärkung und Umbau von Infrastrukturen stellt der Küstenschutz dar, dessen Aufgabe die Sicherung der Infrastrukturen zum Schutz vor Sturmfluten ist. Schon heute wird dabei der Klimawandel beachtet, indem steigende Wasserstände bei der Verstärkung der Küstenschutzanlagen berücksichtigt werden. Darüber hinaus wird eine „Baureserve“ kalkuliert, die mittel- bis langfristig eine vergleichsweise einfache zusätzliche Verstärkung ermöglicht („low regret-Strategie“). Auf diesem Weg kann die Verwundbarkeit der Region reduziert werden, aber die existierenden (Flächennutzungs-)Konflikte werden nicht verringert. Im Versagensfall der Küstenschutzanlagen muss mit einem höheren Sturmflutrisiko gerechnet werden, da die Schadenshöhe steigt. Für die Anpassungsfähigkeit wird es daher notwendig sein,

  • verstärkt auf gestaffelte und mehr raumbezogene Küstenschutzstrategien zu setzen, da so die Redundanz erhöht wird (z.B. Ergänzung mit 2. Deichlinien oder Schaffung von Retentionsräumen beim Deichüberlauf). (siehe hierzu auch Thema 2 Flächennutzungskonflikte)
  • Solche Strategien werden wahrscheinlich nicht billiger sein und machen einen Umgang mit Risiken erforderlich, so dass es notwendig werden wird, über Chancen und Synergien solcher Strategien innerhalb eines Risikodiskurses zu kommunizieren, um Akzeptanz zu schaffen. Ein angemessener Umgang mit (Rest-)Risiken kann zur Absenkung der Ansprüche an Küstenschutzstrukturen führen und damit zu einer Entlastung beitragen. (hierzu siehe Thema 6 Kommunikation und Lernfähigkeit)

Die Infrastrukturentwicklung im Bereich Energieversorgung ist derzeit in einer enormen Dynamik begriffen, die sich nur bedingt regional steuern lässt. Grundsätzlich geht dabei der Handlungsdruck nicht vom Klimawandel selber aus, sondern ist eine Folge der Bemühungen um Klimaschutz. In gewissem Sinne kann dies als indirekte Klimaanpassung bezeichnet wer-den. Handlungsmöglichkeiten auf regionaler Ebene ergeben sich dennoch, und zwar unter anderem in der Reduktion des regionalen Ressourcenbedarfs, was zu einer direkten Reduktion der Belastungen der Energieinfrastrukturen beiträgt und so Handlungsräume für einen Umbau der Infrastrukturen eröffnet. Für den Wärmebedarf bedeutet dies z.B. eine deutliche Reduktion des spezifischen Verbrauchs im Bestand. Die Erreichung eines Gebäudebestands, bei dem 75% der Häuser dem Niedrigenergiehaus-Standard entsprechen, und eine allgemein hohe Ressourceneffizienz sind in diesem Zusammenhang wichtige Ziele. Ebenso können Lastmanagement und Speicher zu einer Entlastung der Netzinfrastrukturen im Strombereich beitragen. Diese Ziele können durch folgende Maßnahmen erreicht werden:

  • Fortführung und Ausbau von (regionalen) Förderprogrammen zur Erhöhung der Ressourceneffizienz in Haushalten, Gewerbe und Industrie
  • Etablierung einer flächendeckenden intelligenten Datenerfassung und Laststeuerung (inkl. Aufbau Speicher) (hier zu auch Thema 1 Ökosystemdienstleistungen)
  • Bei geeigneten Rahmenbedingungen: Aufbau einer Power-to-Gas Infrastruktur

Anpassungsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Infrastrukturen entwickeln

In Bezug auf die großen Unsicherheiten zukünftiger Entwicklungen im Rahmen des Klimawandels und weiterer globaler Wandelprozesse ist es ratsam die Infrastrukturen nicht nur auf bekannte Entwicklungen anzupassen, sondern ganz allgemein anpassungsfähiger zu machen. Obgleich dies mit höheren Kosten verbunden sein kann, ergeben sich daraus auch neue Chance und Synergien mit anderen Entwicklungsbereichen wie beispielsweise der Nachhaltigkeit.

Die Infrastrukturen des Hafen- und Logistiksektors haben einerseits eine regionale Bedeutung, denn sie bilden die technologische Basis für Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze in diesem Bereich. Andererseits erfüllen diese national und international wichtigen Funktionen, in dem sie zur Versorgung beitragen. Aufgrund ihrer Lage an Küsten sind Häfen und hafennahe Logistikstandorte den spezifischen Auswirkungen des Klimawandels ausgesetzt, die für diesen Landschaftstyp zu erwarten sind. Die Konzentration von Sachwerten und ihre Funktion als Knotenpunkte der wirtschaftlichen Entwicklung lässt mögliche Auswirkungen des Klimawandels besonders bedeutsam erscheinen.

Insofern gilt es bei der Klimaanpassung dieser Strukturen sowohl potenzielle Gefahren, wie beispielsweise durch zunehmende Flutwasserstände oder Starkwetterereignisse, zu meistern als auch gleichzeitig die Chancen zu nutzen, die sich durch der Möglichkeiten zur Verbesserung des Schutzes von Vermögenswerten, zur Schadensreduzierung sowie zur Optimierung von Betriebsabläufen im Bereich der Hafeninfrastrukturen insgesamt ergeben. Darüber hinaus rücken zunehmende Flächenkonkurrenzen und potentielle Konflikte mit weiteren Interessengruppen in den Fokus der hafenwirtschaftlichen Infrastrukturplanung, wenn es darum geht, langfristig ein zukunftsfähiges und nachhaltig geprägtes Wirtschaftscluster aufzubauen .So ist beispielsweise im Falle klimawandelbedingter Ausweisung zusätzlicher Überflutungsgebiete bereits bei der Planung darauf zu achten, dass den Sicherheitsstandards möglicherweise betroffener Gebäude- und Infrastrukturen Rechnung getragen wird.

Auf der Ebene der Infrastrukturen im Hafen- und Logistikbereich bestehen diverse Optionen, den Betrieb wettbewerbsfähig und dennoch flexibel, schlank und anpassungsfähig weiterzuentwickeln. Dazu gehören beispielsweise

  • Die Ziele von Nachhaltigkeit und Resilienz, insbesondere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, können als Alleinstellungsmerkmale der regionalen Hafen- und Logistikwirtschaft in Stellung gebracht werden und bieten die Grundlage für eine leitbildgesteuerte Entwicklung der dazugehörigen Infrastrukturen. Hierzu einige Beispiele aus dem Bereich der regionalen Hafen- und Logistikwirtschaft: Bezogen auf den Bereich der Hafeninfrastrukturbetreiber ist an die geplante Weiterentwicklung des „green-ports“ Konzepts der bremenports GmbH & Co. KG als Dachmarke für alle drei Säulen der Nachhaltigkeit zu denken. Zum Aufbau einer robusteren Logistikinfrastruktur, die den Folgen des Klimawandels eine höhere Bedeutung bemisst, dienen die Maßnahmen, die am Logistikstandort des Güterverkehrszentrum (GVZ) Bremen ergriffen werden (verstärkte Drainagesysteme gegen Starkregenereignisse, Schutzmaßnahmen für Lagerung und Transport gegenüber extremem Wetterbedingungen usw.).
  • Ein Flächenmanagement, dass die Funktionen der hafenwirtschaftlichen Infrastrukturen als Basisstrukturen für die Aufrechterhaltung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaftsbereiche stärker berücksichtigt: Diesem Gedanken ist Rechnung zu tragen, durch eine Flächennutzungsplanung, die frühzeitig die (Nutzungs-)Interessen zwischen dem Küstenschutz, der Landwirtschaft, den betroffenen Bürger sowie den – zum Teil überregional bedeutsamen – Infrastrukturbereichen des Hafen- und Logistikbereichs aufgreift. (genaueres hier zu unter Thema 2 Flächennutzungskonflikte)

Im Energiebereich ist die Entwicklung von anpassungsfähigen Infrastrukturen aus vielfältiger Perspektive angeraten, insbesondere weil der Klimawandel und die Energiewende mit erhöhten Unsicherheiten für den Bedarf an Strom und Wärme, den Ausbaugrad von Erneuerbaren Energien und die Errichtung von nötigen Speichern und Netzen einhergeht. Hier ist es also wichtig, die Infrastrukturen so zu planen, dass sie angesichts der Unsicherheiten noch reaktionsfähig bleiben. Als Maßnahmen kommen in Betracht:

  • Auf regionaler Ebene sollen gezielt Modellvorhaben für flexible und anpassungsfähige Energieinfrastrukturen eingeworben werden, um so ein verdichtetes Angebot und möglichst flächendeckende Zugriffsmöglichkeiten bereitstellen zu können. Letzteres betrifft vor allem Strukturen für EE-Mobilität.
  • Die oben beschriebene grundsätzliche Fortführung der bestehenden Förderprogramme soll unter Berücksichtigung einer stärkeren Anpassungsfähigkeit und Flexibilität geschehen und soll an die Planungs- und Entscheidungshorizonte der Anwender angepasst werden.
  • Zur Anpassungsfähigkeit der Förderprogramme gehört dabei die Reaktionsmöglichkeit auf technologische und ökonomische Entwicklungen, so dass beispielsweise Förderhilfen an die realen Kosten von Effizienzsteigerungsmaßnahmen angepasst werden können.
  • Die Anpassung an die Planungs- und Entscheidungshorizonte bedeutet auch, dass Förderprogramme nur mit entsprechend langem Ankündigungsvorlauf geändert werden sollten. Die Herausforderung ist also, zwischen Flexibilität und Vorausschaubarkeit einen wirkungsvollen Kompromiss bei der Ausgestaltung der Förderprogramme zu finden. Damit sollen langfristige Rahmen gesetzt werden, innerhalb derer auf mittelfristige Änderungen im wirtschaftlichen Umfeld der Förderung reagiert werden kann.
  • Mit Hilfe von so gestalteten Förderlinien sollte es machbar sein, schon kurzfristig die Steigerungsrate der Ressourceneffizienz in jeder regionalen Zuordnungseinheit (gemeint sind Einheiten auf unterschiedlichen Skalen wie Branchen oder Wirtschaftscluster, Länder, Landkreise, Gemeinden, usw. )über das durchschnittliche Niveau der entsprechenden Einheiten auf deutschland-weiter Ebene zu heben.
  • Zur Schaffung von regionalen Modellprojekten für flexible und anpassungsfähige Anlagen und Infrastrukturen muss bei anstehenden Infrastrukturprojekten durch Kommunen, Länder und Energiewirtschaft auf eine langfristige Abstimmung von An-gebot und Bedarf in der Fläche geachtet werden. Kommt es nur kurzfristig zu erhöhten Bedarfen sollte nach Möglichkeit mobile Infrastruktur eingesetzt werden.
  • Außerdem sind schon in der Planungsphase mögliche Änderungen der geoökologischen und sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen durch Möglichkeiten zur nachträglichen oder automatisierten Anpassung zu berücksichtigen und Optionen für Rückbau und Recycling mitzudenken und zu dokumentieren.
  • Damit die regionalen Modellprojekte tatsächlich richtungsweisend für den Infrastrukturumbau bis 2050 sein können, sollten sie mittelfristig umgesetzt sein.
  • Kommt es aber zu einer Zunahme von Extremwetterereignissen oder einem starken schleichenden Klimawandel, ist die Anpassungsfähigkeit der Infrastruktur von besonderer Bedeutung. Im Fall solcher Entwicklungen muss darauf hingewirkt werden, dass die Maßnahmen nicht auf einzelne Modellprojekte beschränkt bleiben, sondern möglichst bald bei allen Projekten zum Einsatz kommen.