Ökonomische Entwicklungsfähigkeit

4 Stärkung der ökonomischen Entwicklungsfähigkeit

Die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Branchen in der Region ist im Kontext des Klimawandels als ein Zusammenspiel von Widerstandsfähigkeit (gegen erwartbare und unerwartete Störungen), Anpassungsfähigkeit und Innovationsfähigkeit zu verstehen. Die Stärkung der ökonomischen Entwicklungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen muss dem Leitkonzept einer resilienten, d.h. störungsrobusten, leistungsfähigen und nachhaltigen Wirtschaft folgen.

Insbesondere die ausführlichen Studien im Projekt ‚nordwest2050‘ zeigen sektorspezifisch die möglichen direkten und indirekten klimawandelbedingten Folgen auf. Die daraus notwendig werdenden, wirtschaftsbezogenen Maßnahmen lassen sich fünf zentralen Handlungsfeldern zuordnen:

  1. Informationsversorgung von Unternehmen verbessern
  2. Risikomanagement stärken
  3. Innovationspfade und Zukunftsmärkte für Klimaschutz und Klimaanpassung erschließen
  4. Chancen und Risiken des Klimawandels in der Wirtschaftsförderung berücksichtigen
  5. Klimawandelherausforderungen sektorenspezifisch angehen

4.1 Informationsversorgung von Unternehmen verbessern

Vorhandenes Wissen muss für Unternehmen aufbereitet und über die vorhandenen Multiplikatoren (Kammern, Verbände, Innungen) den Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Kurzfristige Maßnahmen umfassen:

  • Regelmäßige Informationsveranstaltungen für Unternehmen sollten branchenspezifisch angeboten werden, um die unterschiedlichen Klimafolgen jeweils einschätzen zu können.
  • Angebot von Workshops, die den Wissensaustausch fördern
  • Kapazitätsaufbau in Institutionen (Kammern, Verbände, Innungen) dies zu leisten - genauere Beschreibung unter Thema 6 Kommunikation und Lernfähigkeit

4.2 Risikomanagement stärken
Unternehmen benötigen ein verbessertes Risikomanagement im Hinblick auf drohende Klimafolgen. Zudem erfordert die Vielfältigkeit von Klimawirkungen und anderen direkt oder indirekt damit zusammen hängenden Krisen ein breit aufgestelltes Risikomanagement, das neben ökonomischen auch ökologische, soziale und internationale Herausforderungen im Blick behält. Zentrale mittelfristige Maßnahmen umfassen vor allem:

  • Ergänzung der betrieblichen Risikomanagementsysteme und –konzepte der regionalen mittelständigen und Großunternehmen.
  • Einrichtung entsprechender Frühwarnsysteme durch die Kammern, um die verschiedenen betroffenen Unternehmen und Branchen spezifisch mit Informationen und Handlungsempfehlungen zu versorgen.

4.3. Innovationspfade und Zukunftsmärkte für Klimaschutz und Klimaanpassung erschließen
Zur Stärkung der ökonomischen Entwicklungsfähigkeit der Unternehmen gilt es einerseits die bestehenden Stärken der regionalen Unternehmen und Cluster auszubauen. Die Wirtschaft der Metropolregion Bremen Oldenburg bietet gute Voraussetzungen dafür, sich fit für den Klimawandel zu machen und sich als vorausschauender, verantwortungsbewusster und innovativer Dienstleister und Lieferant von Klimalösungen national und international zu positionieren. Zugleich wird sich die regionale Wirtschaft mittelfristig mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen müssen. Je eher diese Herausforderung angegangen wird, desto besser sind die Chancen, Risiken zu minimieren und eine Stabilisierung und Weiterentwicklung der Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen. Besonders aussichtsreich stellt sich diese Profilierung im Bereich Tourismus, Gesundheitswirtschaft und Energiewirtschaft dar. Dabei sollten Unternehmen der kritischen Infrastrukturen als zentrales Handlungsfeld dauerhaft in den Blick genommen werden.

Maßnahmen kurzfristig (bis 2015):

  • Erstellung einer Studie zur Erarbeitung der wirtschaftlichen Entwicklungspotenziale der Region unter den Bedingungen des Klimawandels
  • Erarbeitung eines Vermarktungskonzepts für bereits entwickelte Klimaanpassungstechnologien
  • Aufbau eines Frühwarnsystemen vor Extremwetterereignissen für Unternehmen der Transportbranche bzw. für regionale Logistikstandorte

Maßnahmen mittelfristig (bis 2020):

  • Entwicklung einer Strategie zum Ausbau der touristischen Angebote unter Berücksichtigung von Klimafolgen mit besonderer Berücksichtigung internationale Gäste und des Gesundheitstourismus
  • Entwicklung einer Strategie zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Häfen, die auf der Kooperation und Abstimmung zwischen Politik, Verwaltung, Infrastrukturanbieter und Betreiber(n) beruht. Das Hafenentwicklungskonzept 2025/30 wird ein Element sein, um diese Handlungsfähigkeit weiter zu entwickeln und die Voraussetzungen für den für Bremerhaven prognostizierten Umschlagsanstieg von derzeit rd. 6 Mio. TEU auf bis zu 12 Mio. TEU im Jahr 2025 zu schaffen.

4.4. Chancen und Risiken des Klimawandels in der Wirtschaftsförderung berücksichtigen
Die Entwicklungsfähigkeit der regionalen Industrie und der Energiewirtschaft sollte so gestärkt wer-den, so dass diese sich auf die derzeit (und vermutlich auch zukünftig) höchst unsichere Entwicklung der Rahmenbedingungen einstellen können. Dies bedeutet zum Beispiel, dass in Bezug auf die zu steigernde Ressourceneffizienz, bestehende Förderprogramme nicht einfach fortgesetzt, sondern flexibilisiert werden. Weiter müssen diese mit einer anwenderorientierten Begleitung versehen werden, um bei geänderten Rahmenbedingungen und kurzfristig auftretenden Konflikten reaktionsfähig zu bleiben. Darüber hinaus gilt es, „gute Beispiele“ für Klimaanpassung und resiliente Infrastrukturen zu entwickeln, wie beispielsweise die Etablierung regionaler Modellprojekte für flexible und anpassungsfähige Anlagen und Infrastrukturen in einzelnen Industriezweigen und Sektoren der Energiewirtschaft. Eine oft unterschätzte Eigenschaft von resilienten Systemen ist die in ihnen vorliegende Ressourcenbreite und ihre geringe Abhängigkeit von einzelnen Ressourcen. In dieser Hinsicht können ressourcenleichte Wirtschaftsweisen auch signifikant zu einer Resilienzsteigerung beitragen. Hier könnten regional auch Konzepte zum Tragen kommen, die auf Dienstleistungen statt Besitz aufbauen.

Maßnahmen kurzfristig (bis 2015):

  • Integration des Kriteriums Klimawandel in die Innovationsförderung in der Region

Maßnahmen mittelfristig (bis 2020):

  • Anpassungsfähigkeit wird als Leitbild in der regionalen Wirtschaftsförderung festgeschrieben

4.5. Klimawandelherausforderungen sektorenspezifisch angehen
Der Klimawandel beinhaltet spezifische Herausforderungen, denen branchenindividuell begegnet werden muss. In der Land- und Ernährungswirtschaft können bspw., trotz einer sehr heterogenen Akteurs-und Unternehmenslandschaft, folgende Maßnahmen festgehalten werden:

  • Es sind ein effizientes Ressourcen- und Flächenmanagement, ein reduzierter Energieverbrauch und vor allem die Wertschätzung für und Transparenz der ernährungswirtschaftlichen Produkte in der Land- und Ernährungswirtschaft langfristig (bis 2050) notwendig. (konkretere Maßnahmen zum Thema Flächenmanagement sind unter Thema 2 Flächennutzungskonflikte beschreiben. Weiteres zu effizienten und umweltschonenden Wirtschaftsweisen unter Thema 1 Ökosystemdienstleistungen)
  • Verstärkte Kooperationen innerhalb der Wertschöpfungskette sind als ein wichtiger Treiber für die Stärkung der Transparenz (z.B. innovative Konzepte der Rückverfolgbarkeit, vertragliche Vereinbarungen innerhalb der Wertschöpfungskettenstufen) anzustreben.
  • Diese Kooperationen beinhalten bspw. auch die Förderung von inter- und transdisziplinären Forschungsaktivitäten, die beispielsweise für Maßnahmen der Züchtung von klimarobusten Rassen und Sorten initiiert und professionalisiert werden sollen, um durch Erhalt und Erweiterung der Biodiversität die Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit zu steigern.
  • Neben der Nutzung von Stärken zur Entwicklung des bestehenden Wirtschaftsprofils der Region, sind auch neue Produkt- und Dienstleistungssegmente zu prüfen und zu entwickeln, die sich ggf. in Form eines Klima-Clusters positionieren lassen.

In der Land- und Ernährungswirtschaft lässt sich Innovationsfähigkeit mittelfristig realisieren durch folgende Maßnahmen:

  • technologische Prozessinnovationen (z.B. Kühlung und Belüftungssysteme),
  • Produktinnovationen in Produktion, Verarbeitung und Vermarktung (Nutzung klimarobuster Sorten und Rassen) sowie
  • Organisatorische Innovationen (z.B. Bildung von Innovations- und Gründernetzwerken im Kontext der Klimaanpassung sowie neuen Dialogformaten). (Weiteres zu effizienten und umweltschonenden Wirtschaftsweisen unter Thema 1 Ökosystemdienstleistungen)