Ökosystemdienstleistungen

1 Ökosystemdienstleistungen stärken/ bewahren

Die von Ökosystemen bereitgestellten Leistungen müssen als Grundlage für menschliches Leben und Wirtschaften und zur Stärkung der Anpassungskapazitäten der Region erhalten werden. Zu diesen Leistungen gehören die Bereitstellung von Ressourcen, Reinigungs- und Regulierungsfunktionen oder die Bereitstellung von kulturellen und ästhetischen Werten. Bestimmte Ökosysteme spielen dabei eine wichtige Rolle als Senke für Treibhausgase, gleichzeitig leisten sie wichtige Beiträge u.a. für den Schutz von Siedlungsräumen vor den Auswirkungen des Klimawandels.

Maßnahmen zu Stärkung und Bewahrung der Ökosystemdienstleistungen wirken daher stabilisierend auf die Region. Einerseits in Hinsicht auf naturräumliche Veränderungen, andererseits indem sie Reservoirs und Puffer für die regionalen Wirtschaftskreisläufe und die Gesundheit der Bevölkerung bereitstellen. Die Maßnahmen bestehen dabei in der konsequenten Anwendung von bestehenden Instrumenten, wie Umweltverträglichkeitsprüfungen und Schaffung von Ausgleichsflächen. Gleichzeitig muss die Entwicklung der regionalen Wirtschaft aber noch stärker in Einklang mit den ökosystemaren Schutzzielen gebracht werden. Dies geht über bisher gültige gesetzliche Verpflichtungen hinaus und bedeutet eine aktive Rolle der Wirtschaft bei der Bewahrung von Ökosystemen und ihren Leistungen. Eine ökoeffiziente Bewirtschaftung der Flächen und eine Bewahrung und Stärkung der Ökosysteme sollte unter dem Blickwinkel der wirtschaftlichen Entwicklungsfähigkeit, beispielsweise der Landwirtschaft, der Hafenwirtschaft und der Energiewirtschaft, gesehen werden. Die Wahrung von Ökosystemdienstleistungen und eine Berücksichtigung der internationalen Debatten über Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz, Biodiversitätsschutz und Ernährungssicherheit etc. sollte unter Einbezug möglichst vielen regionalen Akteuren erfolgen. Hierbei kann sich die regionale Wirtschaft proaktiv auf diese Herausforderungen einstellen und einen wirtschaftlichen Vorteil herausarbeiten. Letztlich erwachsen aus der Stärkung der Ökosystemdienstleistungen Chancen und wirtschaftliche Potenziale, gerade im Bereich des Tourismus und der Gesundheitsvorsorge.

Natürliche Anpassung nutzen

Ein beschleunigter Klimawandel wird sehr wahrscheinlich die von den Ökosystemen für die Gesellschaft (bzw. unterschiedlichen gesellschaftlichen Nutzergruppen) bereitgestellten ökosystemaren Dienstleistungen beeinträchtigen (z.B. Biodiversität), so dass deren Inanspruchnahme eingeschränkt wird. Zur Bewahrung und/oder Verbesserung der Nutzbarkeit der Ökosystemdienstleistungen wird Anpassung notwendig. Hierfür bieten sich auch Konzepte an, die weniger auf technische Maßnahmen setzen, sondern die die natürliche Anpassungsfähigkeit der regionalen Ökosysteme nutzen. Ökosystembasierte Konzepte zur Klimaanpassung sind vergleichsweise günstig bzw. kosteneffizient, haben wenig unerwünschte Nebenwirkungen und schaffen Synergien insbesondere mit dem Naturschutz, da sie naturschutzfachliche Ziele und Anliegen unterstützen.

Zu den Maßnahmen die sich direkt auf naturräumliche/ökosystemare Strukturen beziehen, gehören dabei:

  • im Küsten- und Ästuarbereich die Wiederanbindung von Flussauen und die Öffnung von (Sommer-) Deichen;
  • technische Unterstützung des Mitwachsvermögens der Deichvorländer;
  • im ländlichen Raum z. B. Renaturierung von Feuchtgebieten und die Bodenfunktionen schonende landwirtschaftliche Bearbeitung;
  • im städtischen Raum z. B. Schaffung von Grünflächen zur Kühlung und Niederschlagsspeicherung/-versickerung.
  • Einrichtung eines regionalen und sektorübergreifenden Flächennutzungsmanagement, an dem alle relevanten Akteure beteiligt sind und gemeinsam nach Lösungen suchen, wir mit den konkurrierenden Nutzungen, z.B. der landwirtschaftlichen Produktion von Nahrungsmitteln, in Einklang gebracht werden können. Maßnahmen, wie Flächenansprüche geregelt werden sollten, sind unter Thema 2 Flächennutzungskonflikte aufgeführt.

Effiziente und umweltschonende Wirtschaftsweise

Zur Entlastung der regionalen (aber auch überregionalen und internationalen) Ökosysteme sind ganz grundsätzlich alle wirtschaftlichen Praktiken auf eine möglichst öko-effiziente und umweltschonende Wirtschaftsweise umzustellen. In Bezug auf die regionalen Ökosysteme betrifft dies vor allem de Energieversorgung und die Landwirtschaft.

Aus Sicht der Energieversorgung sind zur Bewahrung von Ökosystemen vor allem Flächeninanspruchnahmen zu berücksichtigen. Es geht daher um eine möglichst flächeneffiziente Erzeugung, Speicherung und Verteilung von Energie, um möglichst geringe Einträge von Schadstoffen oder Nährstoffen (z.B. bei der Biomassenutzung), aber auch um möglichst geringe Belastungen der Bodenfunktionen. Daraus ergeben sich einige konkrete Maßnahmen und Regeln:

  • Speziell für die energetische Biomassenutzung müssen die in der Entwicklung befindlichen Nachhaltigkeitskriterien weiterentwickelt werden und regionale Stoffkreisläufe möglichst geschlossen werden.
  • Für Windenergie und Photovoltaik müssen die geltenden Umweltverträglichkeitskriterien beibehalten werden und die Auswahl von Vorrangflächen muss die Tragekapazitäten der regionalen Ökosysteme berücksichtigen.
  • Um der Dynamik von ökosystemaren Veränderungen, gerade im Zusammenhang mit dem Klimawandel, gerecht zu werden, müssen die regionalen Förderprogramme für Erneuerbare Energien flexibel gestaltet werden und ihre Umsetzung in die Tragekapazitäten der natürlichen Systeme angepasst werden.
  • So müssen regelmäßige Aktualisierungen der Nachhaltigkeitskriterien implementiert werden und eine Bewertung der Ökosystemzustände für die Genehmigung von neuen Anlagen muss sich an aktuellen Analysen orientieren.
  • Ausbau der Förderung des umweltfreundlichen, ressourcensparenden Betriebs im Produktions- und Dienstleitungsgewerbe (Wasser, Energie etc.).

Für die Ernährungs- und Landwirtschaft ergeben sich aus der heterogenen Struktur des regionalen Sektors zumindest zwei Ansätze zur Wahrung und Stärkung von Ökosystemdienstleistungen: „nachhaltig-intensiv“ und „ökologisch-regional“. Aus der Strategieoption „ökologisch –regional“ ergeben sich dabei konkrete Maßnahmen in diesem Zusammenhang:

  • Es muss ein Agrarfördersystem angestrebt werden, das stärker die gesellschaftlichen Leistungen der landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsart über die unmittelbare Nahrungsmittelproduktion hinaus fördert (Biodiversität, Naherholung). Diese Förderung zielt dabei auf eine Vermeidung von negativen externen Effekten ab. (dies wird auch unter Thema 2 Flächennutzungskonflikte gefordert)
  • Darüber hinaus können mittelfristig neue, energieeffizientere Anbaumethoden auf der Fläche entwickelt werden und kann ein Rückgang der Versiegelung durch Wiedernutzbarmachung von Flächen erfolgen.(dies wird auch unter Thema 2 Flächennutzungskonflikte gefordert)
  • Insbesondere der Energieverbrauch (bspw. in der Kühlung und in den Verarbeitungs- und Produktionsprozessen) muss aus Klimaschutz- und Kostengründen reduziert werden, sowie Emissionen und Immissionen (z. B. die Belastung des Bodens durch Gülle). Es sollte die „ökoeffizienteste Produktionsform“ gewählt werden. (Siehe hier zu auch Thema 4 ökonomische Entwicklungsfähigkeit)
  • Kurzfristig ist ein professionelleres Ressourcenmanagement in den Betrieben (z. B. ISO 50.000 „Energiemanagement“) sinnvoll, das vorhandene Technologien effizienter nutzt
  • Mittelfristig sind darüber hinaus Investitionen in neue, effizientere Technologien erforderlich, da zur Zielerreichung verschärfte Regulierungen und Grenzwerte eingeführt werden (müssten ).(Siehe hier zu auch Thema 4 ökonomische Entwicklungsfähigkeit)

Chancen Nutzen

Die Wahrung und der Ausbau von Ökosystemdienstleistungen hat nicht nur Kosten zur Folge, sondern bietet auch Chancen und Synergien mit anderen Entwicklungen

Besonders im Tourismusbereich ergeben sich neue Chancen aus einer Stärkung und Diversifizierung von regionalen Ökosystemen. Sowohl für die Kategorie Biosphärenreservat als auch die Kategorie Naturpark gilt dabei, dass sie eine Vorbildfunktion für eine nachhaltige Regionalentwicklung übernehmen. Maßnahmen zur besseren Integration z.B. von Tourismus und Naturschutz stellen danach nur einen Teil einer Gesamtstrategie dar, die die verschiedenen Nutzungsfunktionen im Raum systematisch auf die Ziele der Nachhaltigkeit ausrichtet. Als Maßnahmen kommen dafür in Betracht:

  • Auswertung und Orientierung an „Best practices“ in Biosphärenreservaten und Naturparken bundesweit
  • Entwicklung von Beispielen für die Umsetzung entsprechender Projektvorhaben
  • Stärkung des ÖPNV (u.a. Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken)
  • Förderung regionaler landwirtschaftlicher Produkte (u.a. zertifizierte „Schutzgebietsprodukte“)

Auch in Bezug auf die oben beschriebenen ökosystembasierten Ansätzen kann – neben Synergien mit den Zielen des Biodiversitätsschutzes – durch die Naherholungs- und Tourismusfunktion ein Zusatznutzen mit ökologischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Zielen realisiert werden. In diesen Zusammenhang sind Ausgleichsmaßnahmen einzubeziehen, die möglicherweise aufgrund wirtschaftlich bedingter zusätzlicher Flächeninanspruchnahmen notwendig werden