(i) Bericht des Vorstands

Grußwort des Vorstandes

Liebe Mitglieder,

Das Jahr 2013 war ein intensives Jahr für unsere junge Fairnopoly eG. Es startete mit einem Riesenerfolg, unsere erste große Crowdfunding-Kampagne stellte alle Erwartungen in den Schatten. Über 800 Menschen aus dem ganzen Land hatten über 200.000 Euro investiert – und damit gezeigt, dass die Idee hinter Fairnopoly auf weite Zustimmung stößt. Der Erfolg war auch ein riesiger Motivationsschub für das Team, denn nun wussten wir, wir sind auf dem richtigen Weg. Zudem bedeutete er für uns endlich Aussicht auf Bezahlung für unsere Arbeit, nachdem wir zuvor viele Monate unentgeltlich gearbeitet hatten.

Ein weiterer wichtiger Schritt folgte mit der abgeschlossenen Eintragung unserer Genossen-schaft in das Genossenschaftsregister am 7.5.2013. Nicht nur war damit unser doch recht spezielles Modell als eintragungsfähig bewiesen, wir konnten auch die vielen Unterstützer*innen aus der Kampagne als Mitglieder aufnehmen. Die Mitgliederzahl stieg auf das 50-fache.

Der Erfolg der Kampagne hatte auch zu breiter Medienaufmerksamkeit geführt, die Bekanntschaft von Fairnopoly wuchs – die Erwartungen auch. Unter hohem Druck konzentrierten wir uns weiter auf die Entwicklung des Marktplatzes.

Ende Juli war es dann soweit: Wir konnten mit einer „Pionierversion“ des Marktplatzes online gehen. Nun galt es, unter den bisherigen Unterstützer*innen und weiteren Wohlgesinnten Pionier*innen zu finden, die bereit waren, sich noch vor dem wirklichen Launch Profile anzulegen und Artikel hochzuladen. Weit über 1000 Pionier*innen legten sich Profile an und stellten bis zum Launch gut 4500 Artikel ein. Mit dieser Ausstattung ging der Marktplatz am 24. September 2013 endlich online.

In den folgenden Monaten sammelten wir bergeweise Feedback, das uns dabei half, den Marktplatz Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Dies allein wäre für die letzten Monate des Jahres bei weitem Arbeit genug gewesen. Doch gleich an mehreren weiteren Baustellen kamen signifikante Herausforderungen auf uns zu:

Zum einen stand unser Budget unter Druck, und es war absehbar, dass wir zum Ende des Jahres die laufenden Kosten ohne starke zusätzliche Finanzierung nicht weiter tragen konnten. Die starke Verzögerung des Marktplatzstarts und die schwächere Mitgliederentwicklung in der zweiten Jahreshälfte schlugen hart auf unsere Liquidität.

Wir reagierten zum einen mit der Vorbereitung einer zweiten großen Crowdfunding-Kampagne, die am 15. November 2013 startete. Zum anderen sahen wir uns zu starken Einsparungen gezwungen, um eine formelle Insolvenz abzuwehren. Ende November sprachen wir deshalb - in Rücksprache mit dem gesamten Team – uns allen bis auf zwei Teammitgliedern zum Ende des Jahres Kündigungen aus.

Gerade zu Beginn der Crowdfunding-Kampagne kam die zweite Herausforderung hereingeschneit. Eine internationale Anwaltskanzlei forderte uns im Namen des US-Spielwarenkonzerns Hasbro – Eigentümer der Marke Monopoly – auf, innerhalb von zwei Wochen unseren Namen zu ändern und die Domain freizugeben. In vielen anstrengenden Sitzungen und Gesprächen mit unserem Rechtsanwalt kamen wir erneut zu dem Schluss, den wir bereits bei der Anmeldung unserer Marke hatten: Wir sind im Recht, unseren Namen zu verwenden. Es kam zu einem Briefaustausch mit der Anwaltskanzlei und unserem Anwalt. Nach einigen Wochen zeichnete sich ab: Der Druck war raus, auch wenn die Lösung der Frage noch einige Monate in Anspruch nehmen würde.

Dennoch hemmte uns diese Nachricht, mit der wir nicht sofort an die Öffentlichkeit gehen konnten, sehr beim Start unserer Kampagne. Wie konnten wir neue Mitglieder werben, wenn ein möglicher Rechtsstreit ins Haus stand? Zusammen mit den Kündigungen, der Überarbeitung in den letzten Monaten und den sich schleppenden Entwicklungen auf dem Marktplatz schlug das sehr auf die Stimmung im Team. Anfang Dezember war sie auf einem Tiefstand.

Doch mit der Veröffentlichung des Markenkonflikts konnten wir auch wieder für die Kampagne werben. Und in einem weiteren gemeinsamen Kraftakt begannen wir mit dem gesamten Team unsere Freunde und Bekannten für die Kampagne anzuschreiben. Erfreulicherweise zeigte diese Arbeit bald einigen Erfolg. Wirklicher Aufschwung kam dann zum Ende des Jahres - wieder dank Euch Mitgliedern. Für die Kampagne hatten wir ab Mitte Dezember eine große Telefonaktion gestartet. Wir telefonierten mit über dreihundert von Euch. Und obwohl einige von uns mit Sorge in diese Telefonate gingen, erwiesen sie sich als wahre Motivationsmaßnahmen. Euer Rückhalt, Eure Anerkennung, Eure Bereitschaft, uns auch weiterhin zu unterstützen, haben uns mit erfrischtem Optimismus in die Weihnachtszeit gehen lassen.

Wir danken Euch sehr für Eure bisherige Unterstützung, heißen alle neuen Mitglieder herzlich willkommen und freuen uns auf ein spannendes weiteres Jahr 2014!

Euer Vorstand im Namen des Fairnopoly Teams:

VS Fairnopoly eG

1. Genossenschaftsentwicklung

Die Entwicklung unserer Genossenschaft war neben der Entwicklung des Marktplatzes die Haupt-herausforderung in 2013. Genaugenommen war sie die fundamentale Herausforderung – ohne ein ausreichendes Startkapital hätten wir auch den Marktplatz nicht weiter entwickeln können. Zudem ist es ein zentrales Element der Strategie, mit einer größeren Zahl von Mitgliedern eine Basis von wohlgesinnten „Multiplikator*innen“ für den Marktplatz aufzubauen. Erfreulicherweise war die Genossenschaftsentwicklung in 2013 ein enormer Erfolg.

Eintragung und Mitgliederentwicklung

Zu beginn des Jahres 2013 befand sich die Fairnopoly eG noch im Gründungsstadium. Nach der Gründungssitzung am 12.12.2012 hatten wir die notwendigen Unterlagen beim Prüfungsverband Deutscher Konsumgenossenschaften (PDK) eingereicht. Zu diesem Zeitpunktpunk beschränkte sich die Mitgliederzahl auf die ersten 15 Mitglieder.

Mit dem positiven Prüfungsgutachten vom 24.3.2013 konnten wir die Eintragung ins Genossenschaftsregister beantragen, die am 7.5.2013 vollzogen war. Mit der erfolgreichen Eintragung hatte die Fairnopoly eG nun den Status als eingetragene Genossenschaft und damit einer haftungsbeschränkten Körperschaft. Dadurch wurde es möglich, die während der Startnext-Kampagne und im Nachhinein bei unserem Treuhänder Weis & Partner eingereichten Beitrittserklärungen anzunehmen.

Mit einem Schlag stieg die Mitgliederzahl bis Ende Juni 2013 auf 914 Mitglieder an. Auch in den Folgemonaten konnten wir kontinuierlich neue Mitglieder aufnehmen, bis Ende des Jahres war die Fairnopoly eG auf 1039 Mitglieder angewachsen, die Mitgliederzahl hatte sich also über 2013 fast versiebzigfacht.

Mitglieder Fairnopoly eG

Einlagenentwicklung

Entsprechend haben sich auch die Einlagen in die Genossenschaft entwickelt. Während zu Beginn 2013 Geschäftsanteile in Höhe von 2250€ in der Genossenschaft lagen, wuchs die Summe der eingelegten Anteile bis Ende Juni auf 275.300€ an. Bis Ende des Jahres wurden insgesamt 329.100€ in die Genossenschaft eingelegt, auch dank der Bereitschaft vieler Mitglieder, auf unseren Aufruf im September hin ihre Einlage noch einmal zu erhöhen. (Die Einlagen im Rahmen der zweiten Crowdfunding-Kampagne sind hier noch nicht mit eingerechnet, da wir die Beitrittserklärungen erst im März 2014 erhalten haben).

Einlagen Fairnopoly eG

Fair Founding Points

2013 hat überdies beeindruckende ehrenamtliche Leistungen für die Genossenschaft gesehen, für die wir FAIR Founding Points (FFP) vergeben haben. Bereits Mitte des Jahres waren die insgesamt 2.500.000 FFP vergeben, welche die Satzung für die ersten 5000 Geschäftsanteile vorsieht. Überdies wurden insgesamt 1.179.950 FFP für 5900 Stunden unbezahlte Arbeitsleistungen vergeben, die 2013 in die Genossenschaft eingebracht wurden (gemäß der Satzung 200 FFP pro Stunde). Bei einer angenommenen Bezahlung von 10€/Stunde entspräche das weiteren 59.000 € Wert an Arbeitsleistungen. In Anbetracht dessen, dass die eingebrachten Leistungen zu einem großen Teil hochqualifizierte Arbeiten waren, inklusive Geschäftsführungs-, Beratungs- und Programmier-arbeit, könnte leicht der drei- bis fünffache Wert berechnet werden, was beinahe noch einmal der Summe der finanziellen Einlagen entspräche.

Außerordentliche Generalversammlung

Am 25.8.2013 beriefen wir eine außerordentliche Generalversammlung ein, um anzukündigen, dass 50% der Geschäftsguthaben aufgebraucht waren. Neben diversen Diskussionen stellten wir in diesem Zuge auch die Planung für das restliche Jahr 2013 vor. Es wurde zudem eine Satzungsänderung beschlossen und ein neuer Aufsichtsrat gewählt. Die bisherigen drei Aufsichtsratsmitglieder Kim Stattaus, Anne Schollmeyer und Ernst Neumeister wurden wiedergewählt, zudem wurde der Aufsichtsrat auf 5 Mitglieder vergrößert und Franck Wernecke und Richard Schmid neu gewählt. In einer anschließenden Mitarbeiterversammlung wurden wir im Vorstand erstmals durch die Mitarbeiter*innen gewählt, nachdem wir bisher lediglich vom Aufsichtsrat eingesetzt waren.

Austritte

2013 wurde die Kündigung eines Mitglieds für insgesamt zwei Geschäftsanteile (100€) eingereicht. Diese wird zum 31.12.2016 wirksam.

2. Geschäftsentwicklung

2013 war für Fairnopoly ein Gründungsjahr. Die Geschäftstätigkeit hat zwar mit dem Launch des Marktplatzes am 24.9.2013 begonnen, aber nur in sehr eingeschränktem Maße. Gleichzeitig haben wir das Projekt mit hoher Geschwindigkeit vorangetrieben, wofür entsprechende Kosten angefallen sind. Insgesamt standen den ersten Umsatzerlösen von 1324,81€ Kosten in Höhe von 376.514,73€ gegenüber. Daraus ergab sich ein Jahresfehlbetrag von 375.189,92 €.

Gewin-Verlust

Obwohl wir allen Mitarbeiter*innen eine Einheits-entlohnung von 1200,- Netto bezahlt haben, machen Personalkosten bei Weitem den größten Anteil der Kosten aus. Zur Deckung des Jahresfehlbetrags haben wir die Geschäftsguthaben verwendet, sowie Mitgliederdarlehen in Höhe von insgesamt 64.000 Euro aufgenommen. Details zur Kostenverteilung, die Bilanz etc. finden sich angehängt im Jahresabschluss 2013.

Kostenverteilung

3. Marktplatzentwicklung

Die folgenden Abschnitte beschreiben die Entwicklung auf dem Marktplatz in 2013. Aktuelle Zahlen werden auf der Blogseite „Entwicklung auf dem Marktplatz“ als Teil unserer Transparenzseite veröffentlicht.

Entwicklung registrierte Nutzer*innen 2013

In 2013 haben sich die Nutzerzahlen auf dem Marktplatz wie folgt entwickelt:

Nutzerzahlen

Entwicklung Umsätze Verkäufer*innen 2013

Die Umsätze auf dem Marktplatz entwickelten sich folgendermaßen:

Umsaetze

Entwicklung Umsätze Fairnopoly 2013

Für die Fairnopoly eG fielen im Zeitraum 24.09.13-17.01.14 ab Start des Marktplatzes Verkaufsprovisionen in Höhe von 1.016,34 € an. Ein Teil davon (ca. 300€) wurde über Pionierrabatte nicht in Rechnung gestellt. Die Pionierrabatte sollten zum Start des Marktplatzes dazu beitragen, möglichst viele private und gewerbliche Verkäufer zum Einstellen von Artikeln zu motivieren, und erließen die Verkaufsgebühr für vor dem 24.09.13 eingestellte Artikel bis zur Höhe von 100 Euro pro Verkäufer. Über das Faire Prozent, welches Fairnopoly aktuell an Transparency International e.V. spendet, wurden 200,43 € generiert.

Da das automatisierte Rechnungsstellungssystem in 2013 noch nicht abgeschlossen war, wurden die Provisonen und das faire Prozent erst ab Februar 2014 in Rechnung gestellt.

Die Umsätze der Fairnopoly eG sind 2013 zwar kontinuierlich gestiegen, haben aber bei Weitem noch nicht das Niveau erreicht, das wir in der Budgetplanung angestrebt haben. Die Erfahrungen bzgl. der Dauer der einzelnen Entwicklungs-prozesse führten zu einer Revision der Gesamtstrategie und in diesem Rahmen auch zu einer Verlegung des breiteren Produktmarketings auf die zweite Hälfte 2014.

Entwicklung verschiedener Sparten 2013

Während der ersten Monate des Marktplatzes kristallisierte sich eine Sparte heraus, auf der es uns am schnellsten gelingen wird, ein möglichst vollständiges Angebot zu liefern: Bücher.

Ende 2013 waren ca. 37.000 neue und gebrauchte Bücher auf dem Marktplatz vorhanden. Entsprechend haben wir unsere Strategie angepasst, sowohl im Marketing, Vertrieb und der Technik diese Sparte besonders zu fördern. Wenn potentielle Käufer*innen wissen, dass sie die meisten in Deutschland erhältlichen Bücher auf Fairnopoly finden, werden von den Besucherzahlen auch andere Anbieter*innen auf dem Marktplatz profitieren.

Auch Accessoires und Bekleidung haben sich zu einer starken Sparte auf dem Marktplatz entwickelt, die wir weiter ausbauen möchten. Damit folgen wir dem Trend zu fairer und nachhaltiger Mode.

Übersicht der eingestellte Artikel nach Sparten (Stand Anfang Januar 2014):

  • Accessoires : 1351

  • Bekleidung : 1208

  • Bücher : 36365

  • Freizeit & Sport : 363

  • Gesundheit & Pflege : 211

  • Gutscheine : 14

  • Haus & Garten : 928

  • Kinder & Baby : 854

  • Kunst & Sammeln : 700

  • Lebensmittel : 172

  • Medien : 1508

  • Technik : 504

  • Sonstiges : 595

Faire und nachhaltige Artikel auf Fairnopoly Stand Anfang Januar 2014:

  • Anteil von als fair eingestuften Artikeln in % (ohne Bücher): 22 %

  • Anteil von als öko eingestuften Artikeln in % (ohne Bücher): 23 %

Statistische Besucherzahlen Marktplatz 2013

Die Grafik zeigt eindeutige Besucher, welche ab der Verwendung der Software Piwik aufgezeichnet wurden. Die Spitze am 11. Dezember entspricht einem Beitrag in der taz.

Besucherzahlen Markplatz2013

4. Erreichtes in der Produktentwicklung

Der Fairnopoly-Marktplatz ging am 24.09.13 online. Bereits am 16.08.13 konnten wir die „Pionierphase“ starten, in der entschlossene Pionier*innen Artikel einstellen konnten, aber noch nichts gekauft werden konnte. Dadurch sollte der Marktplatz zum offiziellen Start möglichst gut befüllt sein. Zugleich wollten wir die letzten technischen Probleme beheben. Dank unserer ersten engagierten Nutzer*innen haben wir in dieser Phase und darüber hinaus viel wertvolles Feedback erhalten und umgesetzt.

Der Start erfolgte mit einem sehr minimalen Marktplatz. Viele wichtige Grundfunktionen wie Stöbern, Suchergebnisse sortieren, Nachrichtenaustausch zwischen Nutzer*innen und Verkäuferbewertungen konnten wir erst nach und nach online bringen. Nachgerüstet wurden auch bis zum Ende des Jahres Profile für gemeinnützige Organisationen und eine damit verbundene Spendenfunktion.

Eine weitere sehr wichtige neue Funktion, die 2013 als Beta freigeschaltet wurde, war die CSV-Schnittstelle, über die größere Artikelmengen verwaltet werden können. Ende 2013 konnte diese ca. 10.000 Artikel pro Vorgang (CSV-Datei) bewältigen.

Im Dezember 2013 konnten wir den Partner WeGreen gewinnen und technisch einbinden, dessen Artikel, gestuft nach einer Nachhaltigkeitsampel, bei ergebnislosen Suchen auf dem Marktplatz angezeigt werden. Fairnopoly wird von WeGreen durch eine Provision beteiligt. Somit stehen den Nutzer*innen neben unserem Marktplatz nun mehr als 4.5 Millionen Artikel zur Verfügung – etwa 186.000 davon sind grün und fair. Neben den nach außen sichtbaren Funktionen wurde u.a. ein Backend für den Kundenservice mit einem Ticketing-System aufgebaut, der Marktplatz auf Code-Qualität und Sicherheitsprobleme überprüft, rechtliche Rahmenbedingungen im Bereich eCommerce recherchiert und umgesetzt, eine Risikoanalyse mit umgesetzen Maßnahmen für Betrugsfälle auf dem Marktplatz durchgeführt, und Maßnahmen für Suchmaschinenoptimierung und Webcontrolling eingesetzt. Auch wurden verschiedene Kanäle für Nutzerfeedback wie z.B. Foren geschaffen. Alleine für die Pionierversion wurden ca. 330 Bugs, Feedbacks und Funktionalitäten mit unterschiedlichem Zeitaufwand behoben bzw. umgesetzt.

Unser ursprünglich anvisiertes Startdatum für den Marktplatz, Frühjahr 2013, konnten wir leider nicht halten. Durch den Erfolg der Crowdfundingkampagne waren sowohl die externe als auch interne Erwartung an das Projekt gestiegen. Die technische Plattform, die am Anfang sehr einfach konzipiert war, entsprach nicht mehr unseren Vorstellungen, einige Umsetzungen hatten wir auch zeitlich unterschätzt. Externe Zuarbeiten, wie Design, verzögerten sich mehrfach.

Der Aufbau eines qualifizierten technischen Teams mit Erfahrung in Ruby on Rails und einem Gehalt weit unter Marktwert erstreckte sich über mehrere Monate. Ruby On Rails Entwickler*innen gehören in Berlin zu der am meisten gesuchten und am besten bezahlten Entwicklergruppe. Zudem war die Bürosituation Anfang 2013 für mehrere Monate nicht optimal, da finanzielle Mittel fehlten. Um so erfreulicher ist es, dass wir 2013 ein Team von bis zu zeitweise 7 Personen (manche davon in Teilzeit) aufbauen konnten, welche die Idee hinter Fairnopoly begeisterte.

Auch unser ursprüngliches Ziel von 10.000 eingestellten Artikeln zum Start am 24.09. konnten wir nicht erreichen, doch bei Launch gab es ein buntes Angebot von über 4500 Artikeln über alle Sparten hinweg. Erst nach der Aktivierung der CSV-Schnittstellen gab es signifikanten Zuwachs im Bereich Bücher: Ende 2013 waren ca. 37.000 neue und gebrauchte Bücher auf dem Marktplatz vorhanden. Dies verdanken wir insbesondere drei sehr engagierten Verkäufern und Genossenschaftsmitgliedern (Ecobookstore, Brandenbuch und Kulturblume).

Agil, Open Source und Open Innovation

Fairnopoly setzt auf agile Softwareentwicklung mit der Scrum-Projektmanagementmethode. Das bedeutet in der Praxis: Kurze Entwicklungszyklen, Veröffentlichung von neuen Features auf dem Marktplatz alle 2-4 Wochen und eine schnelle Reaktion auf Nutzerfeedback.

Fairnopoly ist Open Source: Unterstützer*innen können den Code auf der Plattform Github (https://github.com/fairnopoly) transparent einsehen und mitentwickeln. Wir erhalten in unregelmäßigen Abständen Codebeiträge und Kommentare auf Github und sind auf Open Source Veranstaltungen und Medien präsent (z.B. LinuxTag und http://www.linux-community.de/).

Fairnopoly ist die Einbindung der Nutzer*innen in die Marktplatzentwicklung sehr wichtig, damit der Marktplatz ihre Bedürfnisse aufgreift. Feedback erreicht uns auf verschiedenen Kanälen: Bei gezielten Tests und Befragungen, über Formulare auf dem Marktplatz, durch Emails an unseren Kundenservice und über unsere Nutzerforen.

Datenschutz und Sicherheit

Für die Gewährleistung von Datenschutz und Sicherheit bei Fairnopoly haben wir interne Richtliniendokumente erarbeitet. Für die Verschlüsselung der Datenkommunikation zwischen den Nutzer*innen und unseren Marktplatzservern verwenden wir SSL. Der Marktplatz wird nicht von uns selbst, sondern von einem spezialisierten Anbieter aus Deutschland gehostet. Generell wählen wir für externe Leistungen nur Anbieter mit einem Serverstandort in Deutschland (und ggfs. Europa) aus. Vor jeder wichtigen Neuerung auf dem Marktplatz wird der Code von einem renommierten externen Experten auf Sicherheitslücken überprüft.

Ausfallsicherheit und Skalierung

Unsere Infrastruktur wächst mit den Anforderungen (wie beispielsweise den Nutzerzahlen) mit. Sie ist groß genug und redundant ausgelegt, um einzelne Serverausfälle und Lastspitzen abzufangen. Dabei versuchen wir eine sinnvolle wirtschafliche Balance zwischen dem kostenintensiven Vorhalten von Serverkapazitäten und dem Image- und Kundenverlust durch Serverausfälle bzw. Überlastungen einzuhalten. Die Administration haben wir an einen externen Anbieter ausgelagert, der sich auf Ruby-On-Rails-Anwendungen spezialisiert hat, andere große Webseiten hostet, und uns auch regelmäßig zur Softwarearchitektur berät.

Webcontrolling

Unter Webcontrolling fällt die Sammlung und Auswertung des Verhaltens von Besucher*innen auf Websites. Wir setzen das Webcontrolling zur Optimierung der Website und zur besseren Erreichung von Zielen der Website ein (z.B. für die Auswertung der Wirkung von Marketingmaßnahmen für eine Kosten-Nutzen-Analyse oder eine Analyse der Nutzerfreundlichkeit). In 2013 sind wir auf dem Marktplatz von der Verwendung von Google Analytics auf Piwik umgestiegen. Piwik wird auf unserem eigenen Server gehostet. Die Daten werden gemäß dem deutschen Datenschutz nur anonymisiert in Statistiken erfasst. Ein Opt-Out ist über einen Link in unserer Datenschutzerklärung jederzeit möglich.

5. Vertrieb – B2B Marketing und Kundenbetreuung

Aufbau des Vertriebs

Im ersten Quartal 2013 lag der Fokus auf der Entwicklung einer geeigneten nachhaltigen Vertriebsstrategie. Im Rahmen dessen wurden Zielgruppen analysiert, präzisiert und befragt. Die erste Endverbraucher-Zielgruppe wurde im Bereich des internetaffinen LOHAS-Umfelds definiert. Dementsprechend auch Produktanbieter aus den Produktsegmenten fair, öko, sozial in den engeren Fokus genommen. Die Befragungen hinsichtlich der Produkterwartung (Marktplatzsoftware) wurden überwiegend im Rahmen von nachhaltigen Handels- und Verbrauchermessen, Konferenzen und relevanten Second-Hand- und Kunsthandwerk-märkten durchgeführt.

Schon in den ersten Kontaktgesprächen im Frühjahr 2013 konnte eine Vielzahl an interessierten gewerblichen Anbieter*innen für den Marktplatz gewonnen werden. Zeitgleich wurden Händlerlisten mit potentiellen Marktplatzkunden erstellt. Bis zur Prelaunch-Phase im August/September wurden unter Mitwirkung von engagierten Held*innen über 1.500 Händlerkontakten gesammelt und aufbereitet.

Prelaunch-Phase:

Das Ziel 5.000 gewerbliche Artikel zum Launch der Plattform zu erreichen wurde bereits eine Woche nach Launch durch eine konzentrierte Telefonakquise mittels einer zuvor generierten Händler*innenliste erreicht. Messepräsenz 2013 war Fairnopoly mit einem eigenen nachhaltigen Messestandkonzept auf nahezu allen relevanten Handels- und Verbrauchermessen mit dem Fokus auf nachhaltigem Konsum, Fair Trade und ökologischem Leben. Um einen überzeugenden und individuellen Auftritt zu ermöglichen wurde eigens ein nachhaltiges Messestandkonzept entwickelt, welches gleichermaßen nachhaltig und praktikabel ist. Mithilfe von kostenloser externer Beratung und Unterstützung wurde ein Upcycling-Prototyp entwickelt, gebaut und in der Praxis erfolgreich eingesetzt. Die Anzahl der Direktansprachen aus dem Dialog mit Privat- und Fachbesuchern lag bei ca 10.000.

Überblick besuchte Messen 2013:

  • Heldenmarkt, Berlin
  • Heldenmarkt, Bochum
  • Heldenmarkt, München
  • Handmade Supermarket, Berlin
  • Fair Handeln, Stuttgart
  • Karma Konsum Expo, Frankfurt
  • Fair Trade and Friends, Dortmund
  • Heldenmarkt, Frankfurt

Erreichte Ziele im Vertrieb

Schon Ende 2012 wurde ein dreiköpfiges Vertriebsteam aufgebaut mit dem Ziel den Marktplatz bei potentiellen gewerblichen Kund*innen als Alternative zu bestehenden Marktplätzen zu bewerben. Bei der Teamzusammensetzung wurde die fachlichen Hintergründe als maßgebliches Kriterium gewählt. Mit Anne Schollmeyer wurde eine Expertin im Bereich Fairer Handel und NGO-Arbeit und mit Katrin Bartels eine Expertin mit kaufmännischem Hintergrund aus dem klassischen Vertrieb und dem Key Account Management beschäftigt.

Die intensive Bewerbung des Marktplatzes bei der Zielgruppe der gewerblichen Händler*innen wurde insbesondere in der fortgeführten Messepräsenz auf relevanten Handels- und Verbrauchermessen erreicht. Darüber hinaus wurden enge Kontakte zu ausgewählten Händler*innen mit besonderer Außenwirkung geknüpft. Darunter zählen Anbieter wie beispielsweise GEPA oder auch EcoBookstore. Neben der erfolgreichen Akquise von Händler*innen gelang es die ersten sechs Spendenorganisationen als Spendenpartner zu gewinnen. Zu den Empfängern des freiwilligen Spendenanteils zählen: Oxfam, Bildungscent e.V., Studieren ohne Grenzen, Inkota Netzwerk, Ingenieure ohne Grenzen und Hundertprozent e.V.. Kriterium für die Akkreditierung stand war nur die Gemeinnützigkeit der Organisation, sondern insbesondere auch die Mitgliedschaft in der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ).

Aktuell sind auf dem Marktplatz 760 gewerbliche Händler*innen mit einem Gesamtangebot von über 600.000 eingestellten Artikeln aktiv. Die hohen Artikelzahlen sind insbesondere bedingt durch die Schwerpunktsetzung im Produktsegment Bücher (über 500.000). Neben der Neuakquise von gewerblichen Kund*innen wurde insbesondere die Betreuung von Neukund*innen und gewerblichen Anbieter*innen verstärkt.

Kundendialog

Zur Vorbereitung auf den Launch wurde ein Ticketsystem zur systematischen Bearbeitung von Kundenanfragen und Anfragen von Genossenschaftsmitgliedern und Interessierten aufgesetzt. Bei der Wahl der Software wurde die Open-Source Lösung OTRS gewählt um auch damit eine eigene Verwaltung der Kundendaten zu gewährleisten und Datenschutzrichtlinien im Interesse von Kund*innen einhalten zu können. Nach dem Aufbau der technischen und unternehmensinternen Infrastruktur wurden Mitarbeitende und Held*innen in die Testphase und unternehmensspezifische Anpassung eingebunden. Seit Launch der Plattform wurden 10.000 Tickets/ Kundenanfragen bearbeitet.

FN auf Messe

6. Marketing

Das Marketing fokussierte sich in 2013 vor allem auf „Community-Aufbau“ und generelle Markenbekanntheit und -positionierung. Natürlich wurde auch der Launch von Marketing-Aktivitäten begleitet und mit Fokus auf das Weihnachtsgeschäft 2013 wurde erstes Produktmarketing getestet.

Community-Aufbau

Der enorme Erfolg in der Genossenschaftsentwicklung (siehe 2.) war natürlich auch eine große Marketingleistung. Die erste Crowdfunding-Kampagne auf Startnext vom 9.1.2013 bis zum 1.3.2013 war bereits 2012 ausgiebig vorbereitet worden. Sie dominierte alle Marketing-Arbeit im ersten Quartal. Dank dem Erfolg der Crowdfundingkampagne konnten wir unsere engste Community – die Mitglieder in der Genossenschaft – im ersten Halbjahr auf über 800 steigern. In einer Umfrage unter den neuen Mitgliedern ermittelten wir, über welche Kanäle sie von uns gehört hatten und welche Aspekte von Fairnopoly sie besonders wichtig erachteten. Die Umfrage-ergebnisse sind auf unserem Blog einsehbar unter https://info.fairnopoly.de/ergebnisse-der-mitgliederumfrage/.

Insgesamt konnten wir über 2013 unsere Social Media-Präsenz gut ausbauen. Die Zahl unserer „Facebook-Fans“ konnten wir von knapp 1000 auf über 4000 steigern. Auch die Zahl der Blog-Abonnent*innen erhöhte sich von ca. 200 auf über 600. Die Besucherzahlen steigerten sich insbesondere zum Ende des Jahres auf 200-300 eindeutige Besucher täglich.

Statistische Besucherzahlen Blog 2013 Die Grafik zeigt eindeutige Besucher, welche ab der Verwendung der Software Piwik aufgezeichnet wurden:

BesucherBlog2013

Heldenprogramm

Ein Erfolg war auch der Aufbau des Heldenprogramms. Zu Beginn von 2013 stand es zunächst als Konzept, Ende 2013 hatte sich über 300 Held*innen registriert und ihre Bereitschaft signalisiert, uns ehrenamtlich zu unterstützen. Daraus sind zahlreiche Aktionen entstanden, vom dezentralen Flyern in vielen Städten deutschlandweit, über Mithilfe bei der Händler- und Produktsuche, bis hin zu einem allein durch Held*innen organisierten Tauschbasar in Hamburg im Dezember 2013.

Markenbekanntheit und -positionierung

Der Erfolg der Crowdfundingkampagne von Anfang 2013 trug natürlich auch zu unserer Markenbekanntheit bei. Als bis dahin zweit-erfolgreichstes Crowdfunding-Projekt Deutschlands erhielten wir einige Medienaufmerksamkeit. Erfreulicherweise konnten wir uns im Rahmen des Amazon-Skandals (Kritik an den Arbeitsverhältnissen bei Subunternehmen in Folge einer ARD-Dokumentation) als eine faire Alternative zu Amazon positionieren, obwohl der Marktplatz zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Betrieb war.

Presse

Über 2013 hinweg hatten wir u.a. Beiträge in

  • Süddeutsche Zeitung
  • taz – die Tageszeitung (mehrfach)
  • Enorm (Magazin)
  • taz Online
  • Der Freitag
  • Der Tagesspiegel
  • Zitty Berlin
  • FAZ Hochschulanzeiger
  • Computerbild (online)
  • Welt (online)
  • Hamburger Abendblatt (online)
  • Jetzt.de (Online-Jugendmagazin der SZ)

Auch in Radio und Fernsehen gab es Beiträge, u.a.

  • Deutschlandfunk
  • Deutschlandradio Kultur
  • Bayrischer Rundfunk
  • RBB
  • WDR Europaradio
  • Flux FM
  • Arte

Nicht zuletzt waren es auch die Beiträge in diversen Blogs und Online-Magazinen, die uns besonders viel (Online-)Aufmerksamkeit gebracht haben, unter anderem auf

  • Utopia
  • Gründerszene.de
  • Netzwertig
  • Iknews.de
  • Entermagazin
  • Berlin Valley
  • Labkultur
  • Umwelthauptstadt.de

Über 2013 hinweg konnten wir auch unser Marketingmaterial stark verbessern. So entstand eine Vielfalt von Flyern, Postern und z.B. Lesezeichen, zu besichtigen im Fairnopoly Büro.

Bei unserer Präsenz auf diversen Messen und Konferenzen wie z.B. der Karma-Konsum oder dem Vision Summit wurde über das Jahr hinweg immer deutlicher, dass wir in der ersten Zielgruppe der Menschen mit Interesse an verantwortungsvollem Wirtschaften bereits eine guten Bekanntheitsgrad erlangt haben.

Zumindest die aufwendigste einzelne Marketingaktion war unser Flohmarkt in Berlin im September 2013. Die extreme Hitze an diesem Tag konnte doch einige nicht abschrecken, zu dem kunterbunten Treiben auf dem brachliegenden Baugelände in der Alexandrinenstraße zu kommen. Für uns war dieses zusammenkommen von Privatverkäufer*innen, Fair Trade-, Bio- und konventionellen Händler*innen ein weiterer Offline-Test unseres Modells – der bei den Besucher*innen auf durchweg gutes Feedback stieß.

Exkurs – Markenstreit

Der Dezember 2013 war dominiert von dem Markenrechtsstreit, über den wir auf unserem Blog ausführlich berichtet haben. Während die Diskussion dazu noch einmal zusätzliche Aufmerksamkeit bedeutete, ist es langfristig unser Ziel, auch bei einer Änderung unserer Marke die bereits aufgebaute Bekanntheit zu erhalten und auszubauen.

Produktmarketing

Ende Juli 2013 startete die „Pionierversion“ unseres Marktplatzes, mit der wir zunächst möglichst viele Artikel auf dem Marktplatz sammeln wollten. Für diese führten wir eine kleine Pionier-Kampagne innerhalb unserer Community durch. Auch für den Launch des Marktplatzes organisierten wir einige Medienbeiträge und eine kleine Tour mit Lastenrädern und Flyern durch Kreuzberg, die allerdings durch starken Regenfall etwas begrenzt wurde.
Mit Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft 2013 hatten wir auch die Kommunikation über Blog und Social Media darauf abgestimmt und diese durch eine Gutscheinaktion sowie diverse spielerische Aktionen wie z.B. eine „Schnitzeljagd über den Marktplatz“ und einen „Adventskalender“ mit täglich neuen Produktvorstellungen begleitet. Da allerdings die „Conversion-Rate“ (Anteil derer, die bei einem Besuch auf unserem Marktplatz auch wirklich etwas kaufen) in den ersten Monaten sehr niedrig war, haben wir auf aufwendigere Marketingaktionen verzichtet. Stattdessen legten wir den Fokus auf die Vorbereitung der zweiten großen Crowdfunding-Kampagne mit Start im November 2013 gelegt, deren Ziel es war, uns für 2014 durchzufinanzieren, damit wir Ressourcen in ein breites Produktmarketing stecken können, wenn der Marktplatz soweit ist.

7. Organisationsentwicklung, Standort, Personal

Organisationsentwicklung

Gerade in der Anfangsphase eines Gründungsunternehmens sind agile Projekt- und Organisationsstrukturen entscheidend. Um gleichermaßen flexibel, planvoll und ressourceneffizient arbeiten zu können, wurden eine schlanke Organisation mit regelmäßigen Meetingstrukturen auf operativer wie strategischer Entscheidungsebene eingerichtet. Um den administrativen Aufwand gering zuhalten und einen organisatorischen Überbau zu vermeiden wurde auf klassische Projektmanagementmethoden zugunsten von agileren Modellen verzichtet. Neben regelmäßigen Monitorings von Projektfortschritten wurden in Team- und Projektmeetings auch soziokratische Elemente zur Beteiligung der Mitarbeitenden eingebaut.

Standort Glogauer Straße 21

Nach der langen Suche nach geeigneten Büroräumen konnten wir zum 1. Juli 2013 unsere Büroräume in der Glogauer Straße 21 beziehen. Ausschlaggebend für die Entscheidung für die Büroetage in einem Kreuzberger Gewerbehof waren neben preislichen und ökologischen Gesichtspunkten die Erreichbarkeit für Mitarbeiter*innen, Gäste und Kooperationspartner. Ebenso entscheidend waren die mögliche Eignung für Veranstaltungen und Vorträge, und die Möglichkeit bei Bedarf personell wachsen zu können ohne dabei den Bürobetrieb einzuschränken. Seit April 2014 werden freie Büroraumkapazitäten an andere soziale Initiativen und Unternehmen untervermietet, um so kosteneffizient zu wirtschaften und auch potentiellen Kooperationspartnern ein Arbeitsumfeld in unserer Nähe zu bieten.

Buero

Personal

Erst im April 2013 konnten wir erstmals Teammitgliedern ein sozialversicherungspflichtiges Anstellungsverhältnis ermöglichen. Nachdem ein Großteil des Teams bereits über sechs Monate unentgeltlich und mit hohem Arbeitseinsatz für Fairnopoly gearbeitet hatte, wurde die Entscheidung getroffen, ein moderates Einheitsgehalt von 1.200 Euro Netto für eine Vollzeitstelle (bei einer 32-Stunden-Woche) zu zahlen. Die Entscheidung über die Höhe des sehr moderaten Gehalts wurde im Einvernehmen der Mitarbeitenden getroffen. Als Sozialunternehmen, das sich in einer Gründungs-phase befindet, galt es einen Kompromiss zu finden, der die begrenzten finanziellen Mittel und die sozialen Ansprüche eines Unternehmens übergangsweise berücksichtigt.

Bis Dezember 2013 wurden 13 Mitarbeiter vollzeit beschäftigt. Über das Jahr verteilt arbeiteten durchschnittlich 2 Praktikant*innen gegen eine Praktikumsvergütung von monatlich 400 Euro in verschiedenen Arbeitsbereichen mit. Die Praktikumsdauer wurde durchschnittlich auf 3 Monate befristet. Für die Anstellung von zwei Mitarbeitenden haben wir eine Förderung durch den Arbeitgeberservice erhalten. Damit konnten wir erfolgreich zwei engagierte Mitarbeitende wieder in das Berufsleben integrieren. Aufgrund von Liquiditätsengpässen erfolgten im Dezember 2013 im Einvernehmen der Mitarbeitenden anteilige Stundungen der Gehälter um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten und einer Insolvenz vorzubeugen. Aus diesem Grund sahen wir uns auch gezwungen, uns allen, bis auf die beiden geförderten Mitarbeiter*innen, die Anstellungsverträge für Ende 2013 zu kündigen. Die Stundungen konnten nach der erfolgreichen Crowdfundingkampagne im März 2014 zurückgezahlt werden und den Großteil von uns können wir seit April 2014 auch wieder (teils in Teilzeit) beschäftigen.

Team

8. Ausblick

Das Jahr 2013 war für uns bewegend, anstrengend und lehrreich. Wir sind durch Erfolge und Krisen gegangen und haben zu jeder Zeit enormen Rückhalt erhalten. Von Anfang an war klar gewesen, dass Fairnopoly ein anstrengendes Projekt mit Höhen und Tiefen wird. Wir gehen davon aus, dass auch in Zukunft nicht alles immer so kommen wird, wie wir es planen oder erhoffen. Das Jahr 2014 ist nun wieder mit einem Crowdfunding-Erfolg gestartet, nicht so groß, wie erhofft, aber groß genug, um weiter voran arbeiten zu können. Gegenüber der vorherigen Planung mussten wir deshalb einige Geschwindigkeit herausnehmen, und die Finanzierung bleibt auch in 2014 eine dominierende Herausforderung. Zugleich haben sich viele neue Chancen und Partnerschaften ergeben, die ein spannendes weiteres Jahr erwarten lassen. Neben intensivierter Zusammenarbeit mit Netzwerken und Bewegungen, die sich für eine nachhaltigere Wirtschaft einsetzen, wie z.B. die Gemeinwohlökonomie, konnten wir auch gute Kontakte zu etablierten Organisationen wie dem DGRV, der IHK, dem DGB und Verdi knüpfen. Auch unsere Genossenschaft ist nun weiter verstärkt um hunderte neuer Mitglieder. Gemeinsam sind wir weiter denn je in unserem Plan, eine funktionierende Alternative zu den großen Online-Marktplätzen ins Leben zu rufen.

Überarbeitete Strategie

Im Januar 2014 haben wir in einem Blogbeitrag die generelle 5-Phasen-Strategie vorgestellt. Sie lautet in Kürze: „In fünf Phasen über drei Jahre zum tragfähigen Massenmarktplatz.“ In einem anschließenden Beitrag veröffentlichen wir einen Rückblick auf das Jahr 2013. In beiden Beiträgen reflektieren wir die lehrreichen Erfahrungen der letzten beiden Jahre. Zentral ist dabei die Einsicht, dass erst der Marktplatz sowohl als Software als auch als Sammelort spannender Produkte mit guter Spartenabdeckung weit genug ausgereift sein muss, um weitere Nutzer*innen werben. Die Umsätze steigern zu wollen, ohne dass der Marktplatz darauf wirklich vorbereitet ist, ist ineffizient und bedeutet verschenktes Potential. Diese strategische Neuausrichtung erfordert von uns einige Geduld und hartnäckiges Voranarbeiten. Auch dazu haben wir in einem Blogbeitrag die nächsten Schritte in den sechs Fokusbereichen Marktplatzentwicklung, Finanzierung, Oranisationsentwicklung, Partizipationsinstrumente, Verwaltung und Gechäftsbetrieb, sowie eine aktualisierte Budgetplanung veröffentlicht.

Wir sind froh, dass unser Team dazu auch weiterhin mit Energie und Herz bereit ist, trotz der Hürden, die wir über den Winter genommen haben. Und wir sind zuversichtlich, zum Juli 2014 soweit zu sein, mit dem breiteren Marketing starten zu können.

Die nächsten Schritte

Einige der strategische Entscheidungen haben bereits Früchte getragen. Z.B. ist die „Fokussparte“ Bücher von 37.000 verfügbaren Büchern Ende 2013 auf einen Bestand von über 500.000 Artikeln in 2014 angewachsen. Die Schnittstellen zum Verwalten von Artikeln und Daten können inzwischen täglich mehrere 100.000 Artikel pro Vorgang verarbeiten. Mit der anstehenden Online-Generalversammlung leisten wir erneut Pionierarbeit. Parallel werden wir in einer im Mai startenden Peer-Evaluation unserer Gemeinwohl-Bilanz unser Bekenntnis zu fairem Wirtschaften auf den Prüfstand stellen. Unsere Vorträge zu unserem Unternehmensmodell „Genossenschaft 2.0“ sind auf große Begeisterung gestoßen und werden nun in systematisierter Form deutschlandweit fortgesetzt. Wo und wann kann stets in unserem Veranstaltungskalender ein-gesehen werden. Dabei macht die Mitgliederwerbung weiterhin einen wichtigen Teil unserer Aktivitäten aus. Während sich alle anderen Finanzierungswege als unergiebig erwiesen haben, bleiben wir damit auch unserem Kernansatz treu: Gemeinsam mit dem Einsatz vieler Menschen ein großes Unternehmen aufbauen.

Voraussetzungen für den Erfolg

Wir arbeiten weiterhin darauf hin, dass der Marktplatz sich Ende 2014 selbst trägt. Das Erreichen dieses Ziels hat allerdings drei Voraussetzungen:

Erstens muss es uns gelingen, unsere Finanzierung auf bessere Füße zu stellen. Wir können die Unterfinanzierung nicht ewig durch unterbezahlte Mehrleistungen des Teams abdecken. Deshalb starten wir noch im Mai eine Kampagne zur weiteren Mitgliederwerbung.

Zweitens muss die Entwicklung des Marktplatzes zügig weiter vorangehen, damit er in der zweiten Hälfte des Jahres bereit ist, nicht nur mit größeren Nutzerzahlen umzugehen, sondern diese auch zu begeistern und zu halten. Wir sind auf gutem Wege dahin, dank der bereits zugesagten Mitglieder-darlehen können wir das technische Team nun gezielt verstärken.

Mitglieder 2014

Drittens brauchen wir natürlich auch ein Marketingteam, dass die anvisierte große Nutzergewinnung umsetzen kann. Die Basis dafür steht – eine breite Community und grundlegende Markenbekanntheit in der ersten Zielgruppe. Im Juni möchten wir mit einer frech-fröhlichen Umbenennungskampagne die Markenbekanntheit und Medienaufmerksamkeit erneuern und weiter steigern. Doch für die wirkliche breite Nutzergewinnung werden wir wiederum einige zusätzliche Ressourcen benötigen, insbesondere eine erfahrene neue Marketingleitung und eine Spezialist*in für Online-Marketing.
Erfreulicherweise gehen manche Dinge miteinander einher. Die Verbreitung des Modells Genossen-schaft 2.0 bringt uns kontinuierlich neue Mitglieder und Fans. Jedes neue Mitglied ist natürlich auch eine potentielle neue Multiplikator*in, und die wachsende Bekanntheit bringt uns weitere Bewerber*innen und Held*innen. Und nicht zuletzt zeigen die Kontakte mit der Zielgruppe uns wieder und wieder: Die Menschen wünschen sich eine Alternative zu den großen Online-Marktplatz-Riesen. Wir freuen uns auf das weitere Jahr 2014 und das gemeinsame Voranbringen unseres großen Projekts. Für de großartige Unterstützung von Euch Mitgliedern und den vielen aktiven Held*innen im ganzen Land an dieser Stelle nocheinmal im Namen des gesamten Teams ein herzliches

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