(i) Bericht des Vorstands

Grußwort des Vorstands

Liebe Mitglieder,

2014 war ein Jahr der Entwicklung. Es begann mit einem Erfolg, der nach außen vielleicht weniger groß wirkte, als er für uns intern war. Vor dem Jahreswechsel schien sich alles gegen uns zu richten. Ein überarbeitetes, demotiviertes Team sah sich einem Berg von Herausforderungen gegenüber: Unsere finanzielle Lage war dramatisch eng, um eine Insolvenz zu vermeiden hatten wir präventiv dem gesamten Team gekündigt. Der Marktplatz war zwar online, aber eben in einer ersten, eingeschränkten Version, die nur von gutwilligen ersten Käufer*innen genutzt wurde. Und zu Beginn der großen Crowdfundingkampagne, die uns den finanziellen Druck von den Schultern nehmen sollte, kam das Schreiben einer internationalen Anwaltskanzlei mit der Anfechtung unserer Marke hereingeschneit. Die taz schrieb über den „fairen Online-Marktplatz in der Krise“ und an einigen Stellen erklärte man das Projekt bereits für gescheitert. Die Kampagne hatte das Ziel, uns für 2014 durchzufinanzieren und eine produktive Weiterentwicklung zu ermöglichen. Dafür hatten wir das Idealziel auf 500.000 Euro gesetzt. Doch wie konnten wir in dieser Situation auch nur das Mindestziel von 125.000 Euro erreichen, das wir uns für die Fortsetzung des Projekts gesetzt hatten? Vor Weihnachten glaubten die meisten kaum noch daran. Die Wende kam mit der breiten Unterstützung aus der Mitgliedschaft. Statt des befürchteten Sturms von Vorwürfen trafen wir auf anerkennende und unterstützende Worte. Und so starteten wir Anfang des Jahres mit einem zwar kleineren, aber wieder optimistischen Team in den Endspurt der Kampagne. Wir tourten durchs Land, schrieben alle Kontakte und Netzwerke an und ließen über alle uns verfügbaren Kanäle wissen, dass wir weitermachen möchten. Und letztlich gelang es auf den letzten Metern, das Mindestziel zu knacken und immerhin gut 146.000 Euro zu einzusammeln. Dass wir an dieser Stelle die Kurve gekriegt haben, war für uns ein großer Erfolg. Nicht nur konnten wir wieder zumindest einige von uns bezahlen. Wir hatten auch wieder ein Team, das mit Zuversicht und Lust für das Projekt arbeiten wollte. Damit konnte es weitergehen, wenn auch mit eingeschränkten Mitteln. Für die erste Hälfte des Jahres wollten wir uns auf die Entwicklung in drei Bereichen konzentrieren: Erstens wollten wir das Minimum an strategisch notwendigen Marktplatzfunktionen entwickeln, um auch mit größeren, nicht nur durch guten Willen motivierten Nutzerzahlen umgehen zu können. Zweitens wollten wir uns intern organisatorisch besser aufstellen, damit wir nicht wieder in einen Zustand geraten würden wie am Ende des Vorjahres. Und natürlich wollten wir drittens auch die Genossenschaft vergrößern, um die Mittel dafür zu sammeln, das ganze Projekt mit höherer Geschwindigkeit voran zu bringen. In der zweiten Hälfte des Jahres sollte dann das Marketing im Vordergrund stehen, mit einem vorbereiteten Marktplatz, angemessenen finanziellen Ressourcen und einem gut aufgestellten Team. Damit wollten wir auf das Gesamtziel hinarbeiten: Bis Ende des Jahres die Tragfähigkeit zu erreichen. Leider blieben wir in allen drei Bereichen hinter unseren Zielen zurück. Die technische Entwicklung zog sich wieder sehr viel länger hin als geplant. Trotz einer großen Zahl von Vorträgen zu unserem Modell mit verschiedenen Netzwerkpartnern deutschlandweit wuchs die Genossenschaft kaum. Und auch die Organisationsentwicklung kam aufgrund der starken Auslastung schleppend voran, ein dringend benötigtes moderiertes Teamcoaching fand letztlich erst im August statt. Dafür waren auch Führungsfehler verantwortlich, phasenweise waren wir im Team mit der Arbeitsmenge schlicht überfordert. Dennoch gab es weitere Erfolge: Im frühen Sommer fand unsere erste Online-Generalversammlung statt und trotz aller Schwierigkeiten fanden wir eine gute Lösung für das Markenproblem. Im September stand endlich der neue, händlerübergreifende Warenkorb, ein wichtiger Schritt in der Professionalisierung des Nutzererlebnisses und Grundlage für viele weitere Verbesserungen. Dank einer Reihe von Darlehen durch einige Mitglieder konnten wir ab August auch die geplante Ausrichtung auf größeres Marketing angehen. Wir entwickelten eine mehrstufige Marketingstrategie und holten drei Marketing-Profis mit einem Hintergrund im eCommerce ins Team. Leider blieben die Ergebnisse wieder weit hinter den Erwartungen zurück. Abstimmungs- und Führungsprobleme führten dazu, dass nur ein kleiner Teil der Marketingsstrategie wirklich umgesetzt wurde. Wir hatten nicht die finanziellen Ressourcen, um ernsthaft klassisches Online-Marketing zu betreiben. Finanziell blieb es knapp und um das Ruder herumzureißen, setzten wir alles auf eine Karte: Mit der Umbenennungskampagne wollten wir endlich wieder Aufmerksamkeit auf uns ziehen, neue Mitglieder gewinnen und gestärkt ins Weihnachtsgeschäft gehen. Doch auch sie führte nicht zum Erfolg. Zwar gelang es uns, den neuen Namen in unserer Community zu verbreiten, doch breitere Aufmerksamkeit und weitere Einlagen blieben aus. Im November war deshalb ein weiterer Tiefpunkt erreicht. Nur aufgrund einer weiteren Unterstützungswelle aus der Mitgliedschaft konnte die Fairmondo eG finanziell überleben, aber ein wichtiger Teil des Teams fiel weg. Wir reagierten mit einer starken Reduzierung der Kosten. Von nun an wurde nur noch ein Basisteam bezahlt, bestehend aus drei 451-Euro-Kräften für Buchhaltung, Marketing und Kundenservice, sowie einem Programmierer in Vollzeit. Dennoch konnten wir das Projekt auch über das zweite Halbjahr weiter voranbringen. Mit dem neuen Namen hatten wir auch eine neue Positionierung entwickelt, die auf eine breitere Zielgruppe ausgerichtet ist: „Gutes einfach entdecken“. Speziell auf der Startseite und in einigen weiteren Funktionen konnten wir sie bereits auf dem Marktplatz umsetzen, und dadurch die Conversion Rate (das Verhältnis von tatsächlichen Käufen zu Besuchern auf der Seite) auf eine vorzeigbare Höhe steigern. Weniger sichtbar, doch mindestens genauso wichtig war es, dass wir auch die Funktionen für die Massenverwaltung von Produkten verbessern konnten, so dass der Marktplatz zum Ende des Jahres trotz knapp 2 Millionen Artikeln weitgehend stabil lief. Am Ende von 2014 standen wir also vor einem gemischten Resultat: Wir waren noch immer weit vom Ziel der Tragfähigkeit entfernt. Doch trotz der begrenzten Ressourcen waren wir ein gutes Stück darin vorangekommen, die Grundlagen für einen Marktplatz zu schaffen, der sich tragen kann.

Wir danken Euch auch dieses Jahr für Eure großartige Unterstützung. Mehr noch als im Jahr zuvor haben wir in 2014 gemeinsam gezeigt, was es heißt, schwierige Situationen durchzustehen und trotzdem mit Energie weiterzumachen. Auch 2015 wird nicht einfach sein und es wird weitere Rückschläge geben. Doch wir haben viel gelernt und wenn es uns gelingt, die notwendigen Ressourcen zu finden, um das Gelernte umzusetzen, wird sich das lange Durchhalten bezahlt machen. Es freut uns, dass unser Projekt nicht zuletzt Dank des Engagements einer stetig wachsenden Mitgliedschaft unaufhaltsam weiter voranschreitet.

Euer Vorstand im Namen des Fairmondo Teams, Bild Beschreibung

1. Genossenschaftsentwicklung

Auch in 2014 ist unsere Genossenschaft weiter gewachsen. Das Highlight war die erfolgreiche Durchführung unserer ersten Online-Generalversammlung, doch auch die enorme Unterstützung durch die Mitglieder in der „Novemberkrise“ hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. In diesem Rahmen konnten wir auch unsere erste öffentliche Online-Video-Konferenz durchführen, um Fragen zum weiteren Vorgehen zu beantworten.

Mitgliederentwicklung

In 2014 hat sich die Mitgliedschaft in unserer Genossenschaft von1067 auf 1924 Mitglieder fast verdoppelt. Der größte Schub kam mit der Startnext-Crowdfunding-Kampagne zu Anfang des Jahres. Doch auch während des Jahres hat sich gezeigt, dass, wenn wir Menschen mit unserem Projekt erreicht haben, ein Teil von ihnen auch bereit war, in die Genossenschaft einzusteigen. Die Idee behält ihre Überzeugungskraft.

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Einlagenentwicklung

Entsprechend haben sich auch die Einlagen in die Genossenschaft weiter positiv entwickelt. In 2014 sind die Einlagen in die Genossenschaft von 332.550€ auf 514.050€ angewachsen.

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Die erste Online-Generalversammlung

Vom 24.05.2014 bis 22.06.2014 fand unsere erste Online-Generalversammlung statt, mit der Fairmondo Pionierarbeit auf dem Gebiet der komplett virtuellen Durchführung von genossenschaftlichen Generalversammlungen geleistet hat. 454 Mitglieder aktivierten den Link zur Plattform, was einer Teilnahmequote von 25% entsprach. 209 (12%) Mitglieder stimmten ab und 143 beteiligten sich aktiv an der Diskussion. Neben der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat, der Genehmigung des Jahresabschlusses, der Einrichtung eines Beirates und dem Beschluss über die Deckelung des Jahresfehlbetrages wurde der Aufsichtsrat auf sieben Mitglieder erweitert und wichtige Satzungsänderungen beschlossen. Hierzu zählte u.a. die Änderung der Firmierung der Genossenschaft auf „Fairmondo eG“. Zudem wurde die Zahl der maximalen Geschäftsanteilen auf 500 (d.h. 25.000 Euro) erhöht.

Austritte

2014 wurde die Kündigung von drei Mitgliedern für insgesamt 91 Geschäftsanteile (4550€) eingereicht. Die Kündigungen werden zum 31.12.2017 wirksam.

2. Geschäftsentwicklung

In den ersten drei Quartalen von 2014 lag der Fokus auf der Weiterentwicklung des Marktplatzes sowie im 3. Quartal auf der Vorbereitung von Marketingmaßnahmen. Entsprechend blieben die Umsätze auf dem Marktplatz sehr bescheiden. Im vierten Quartal lag der Fokus dann verstärkt auf dem Marketing. Einleitend dafür war die Umbenennungskampagne im Oktober, die allerdings nicht den Aufmerksamkeitsschub gebracht hat, auf den wir gezielt hatten. Anschließend folgte die Kampagne für das Weihnachtsgeschäft mit dem Fokus auf der Sparte Bücher. Auch wenn wir eine signifikante Steigerung erreichen konnten, blieben die Ergebnisse weit hinter den Erwartungen.

Insgesamt hat die Fairmondo eG Umsatzerlöse in Höhe von 12.416€ erwirtschaftet. Dem standen Kosten in Höhe von insgesamt 298.057,55€ gegenüber. Daraus ergab sich auch im zweiten Jahr der Fairmondo eG ein großer Jahresfehlbetrag in Höhe von 279.500,78€. Für weitere Details siehe vorläufiger Jahresabschluss 2014.

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Zur Deckung des Jahresfehlbetrags haben wir die Geschäftsguthaben verwendet sowie Mitgliederdarlehen in Höhe von insgesamt 110.170€ aufgenommen. Überdies haben wir Mitgliederdarlehen in Höhe von 44.000€ vertragsgemäß zurückgezahlt.

3. Entwicklung auf dem Marktplatz

Die folgenden Abschnitte beschreiben die Entwicklung auf dem Marktplatz in 2014. Aktuelle Zahlen werden regelmäßig unter https://info.fairmondo.de/entwicklung-auf-dem-marktplatz/ als Teil unserer Transparenz-seite veröffentlicht.

Entwicklung der registrierten Nutzer*innen 2014

Die Zahl der Registrierten Nutzer*innen auf dem Markt ist über 2014 relativ kontinuierlich gestiegen, mit einer leichten Beschleunigung im letzten Quartal.

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Entwicklung der Umsätze von Verkäufer*innen 2014

Die Umsätze von Verkäufer*innen sind über 2014 auf sehr niedrigen Werten stagniert, erst im letzten Quartal sind sie angezogen auf 19.615€ im Dezember. Insgesamt blieben die Umsätze sehr viel niedriger als anvisiert.

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Besucherzahlen auf dem Marktplatz

Entsprechend der Zurückstellung des Marketing in den ersten drei Quartalen von 2014 waren auch die Zahlen eindeutiger Besucher*innen nach dem Weihnachtsgeschäft 2013 eher Rückläufig. Eine Ausnahme bildete der August, in dem durch einen Fernsehbericht über ein Produkt berichtet wurde (der Chili-Sauce Mexican Tears), auf dessen Website unser Marktplatz als Kaufmöglichkeit verlinkt wurde. Mit dem Weihnachtsgeschäft 2014 stiegen die Besucherzahlen leicht an. Hier lässt sich gut der Effekt der verbesserten „Conversion Rate“ ablesen (das Verhältnis von Einkäufen pro eindeutigen Besucher). Sowohl die Umsätze auf dem Marktplatz als auch die Verkaufsprovisionen für Fairmondo (siehe nächste Grafik) stiegen Ende des Jahres sehr viel stärker als die Besucherzahlen.

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Entwicklung der Umsätze von Fairmondo in 2014

Für die Fairmondo eG fielen in 2014 Verkaufsprovisionen in Höhe von insgesamt 4174,69 € an. Insgesamt betrugen die Umsatzerlöse der Fairmondo eG 12.503,68€ da zu diesen auch der Erlös aus dem Verkauf von T-Shirts und Beuteln etc. gerechnet wird, die insbesondere im Rahmen der Umbenennungs-kampagne entstanden sind. Zusätzlich zu den Umsätzen sind in 2014 durch Transaktionen auf dem Marktplatz insgesamt 787,11€ an Spendenvolumen durch das Faire Prozent zusammengekommen.

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4. Erreichtes in der Produktentwicklung

Trotz reduzierter Ressourcen konnte die Produktentwicklung in 2014 einige wichtige Meilensteine erreichen:

CSV-Schnittstelle für gewerbliche Händler und Fairmondo als fairer Bücher-Marktplatz

Die 2013 als Beta-Version freigeschaltete CSV-Schnittstelle zum Verwalten von großen Artikelmengen für gewerbliche Händler ist in 2014 schrittweise weiter ausgereift. Zum Weihnachtsgeschäft 2014 konnte deshalb einer unserer größten Händler, der Ecobookstore, über die Schnittstelle fast 2 Mio. Bücher und verwandte Medien versandkostenfrei anbieten, und damit wesentlich zum erfolgreichen Weihnachtsgeschäft für Fairmondo beitragen. Die Schnittstelle wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Ecobookstore ausgebaut. Die Förderung der Sparte Bücher und Medien in 2014 entsprach unserer revidierten Strategie, kurzfristig sowohl im Marketing, Vertrieb und der Technik diese Sparte besonders zu fördern, weil sie sich als die schnellstwachsende herauskristallisiert hatte.

Optimierung der Ladezeiten der Seiten

In 2014 führten wir ein sogenanntes Caching ein, bei dem Teile der Seite nicht jedes Mal für jeden Nutzer neu generiert werden, sondern in einer Art Speicher für alle abgelegt werden, und sich dadurch die Ladezeit für den einzelnen Nutzer stark verringert.

Suchmaschinenoptimierung

In mehreren Durchgängen haben wir unsere Seite für Suchmaschinen optimiert, damit wir weiter oben in den Suchergebnissen erscheinen.

Ausbau des Kategorienbaums

Die Kategorien wurden grundlegend überarbeitet und ergänzt, insbesondere die Bücherkategorie. Neue Kategorien wie „Dienstleistungen“ und „Zu verschenken“ wurden eingeführt.

Erweiterte Suche und Stöbern Die erweiterte Suche mit den verschiedenen Filtern wurde modular gestaltet und aktualisiert die Suchergebnisse, ohne dass der Suchen-Button erneut geklickt werden muss. Es sind neue Filter dazu gekommen (Preis, Standortsuche nach Teil-PLZ). Die Kategorienleiste wurde überarbeitet, zudem wurde ein zusätzliches Navigationsmenü am linken Rand eingeführt.

Sammlungen

Die Sammlungen als ein Element zum Stöbern und Entdecken von Produktgruppen wurden mit einer Bewertungs- und Kommentarfunktion und mit einer Sortierung in Neu und Trends aufgewertet.

Warenkorb

Rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft konnten wir einen händlerübergreifenden Warenkorb realisieren. Diesen hat noch nicht einmal ein anderer bekannter Marktplatz! Die Konzeption und Umsetzung haben drei Monate in Anspruch genommen. Dafür zeichnet sich der Warenkorb trotz seiner internen Komplexität durch eine nutzerfreundliche Bedienung aus. Seit Einführung des Warenkorbes konnten wir eine Steigerung der durchschnittlich eingekauften Anzahl von Artikeln beobachten. Mit dem Warenkorb wurden auch automatisierte Kombi-Versandgebühren eingeführt, so dass Händler anhand von Regeln maximale Versandkosten beim Kauf von mehreren Artikeln festlegen können. Vorher mussten Versandgebühren beim Kauf von mehreren Artikeln vom Käufer mit dem Händler ausgehandelt werden. Zusätzlich haben wir die Verwaltung von unterschiedlichen Rechnungs- und Lieferadressen und eine bessere Einbindung von Bezahlmöglichkeiten, z.B. Paypal, realisiert.

Überarbeitung der Startseite

Ende des Jahres haben wir mit Hilfe der Beratung durch Markus Simoneit das Konzept der Startseite überarbeitet. Die wichtigste Änderung war die Einführung eines Sliders mit produktwelten-bezogenen Billboards. Auch die Filter fair, klein&edel, öko und gebraucht, wurden deutlicher im oberen Bereich der Startseite platziert.

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5. Vertrieb und Kundenbetreuung

Vertrieb wid bei Fairmondo als die gezielte Akquise von gewerblichen Händlerinnen verstanden, also denjenigen, die uns für die Nutzung unseres Produkts Verkaufsprovisionen zahlen. Der Vertrieb hatte in 2014 einen Fokus auf die Händlerinnen mit besonders interessanten Einzelprodukten, die durch ihre Attraktivität Nutzer*innen auf die Plattform ziehen sollten. Leider haben im Rahmen der Kürzungen im November die Mitglieder unseres Vertriebsteams Fairmondo verlassen. Deshalb kann dieser Teil des Berichts nur eine grobe Übersicht über die Aktivitäten geben.

Überarbeitung der Vertriebsstrategie

Im Rahmen einer Überarbeitung der Vertriebsstrategie wurde die Priorisierung weiter ergänzt. Erstens wurde im Zuge einer Produktsortimentoptimierung die Händlerakquise speziell auf drei Kategorien von Produkten ausgerichtet: Wohnen und Lifestyle, Kind&Baby sowie Spielwaren. Die zweite Priorität wurde auf den Aufbau einer aktiven Händlercommunity gesetzt, die es Händlern ermöglicht, sich gegenseitig zu beraten und auszutauschen.

Produktsortimentoptimierung

Aufgrund der begrenzten Ressourcen und technischer Schwachstellen der Marktplatzsoftware im Bereich Händlerfunktionen ist die Produktsortimentoptimierung in 2014 nur langsam vorangekommen. Es wurden umfangreiche Listen relevanter Händler*innen erstellt und systematisch Kontakt aufgebaut. Die technischen Hürden bedeuteten aber in vielen Fällten, dass trotz klarer Interessenbekundung das Einstellen größerer Mengen von Produkten auf dem Marktplatz zunächst zurückgestellt wurde.

Aufbau einer Händlercommunity

Um den Austausch zwischen Händlerinnen zu verbessern, wurden entsprechende Bereiche im Forum ein-gerichtet und betreut. Durch direkte telefonische Kontakte mit Händlerinnen wurde die Bindung gestärkt und Bedürfnisse ermittelt. Mit der Einrichtung eines Händler-Newsletters werden Händlerinnen regelmäßig über aktuelle Entwicklungen informiert und ihnen die Möglichkeit vermittelt, im jeweils folgenden Produkt-newsletter im Rahmen des aktuellen Themas ihre Produkte den Abonnentinnen vorzustellen.

Messeauftritte

Auch 2014 waren wir auf verschiedenen Messen im Rahmen der Fokussierung vertreten, wie z.B. dem Heldenmarkt in verschiedenen Städten und der Fair-Handeln-Messe.

Kooperation mit Fairphone

Seit Kontaktaufnahme bestand mit Fairphone (den ersten Anbietern eines weitgehend fair produzierten Smartphones) ein beiderseitiges Interesse für Kooperation. Die europaweit große Nachfrage nach den Fairphones bei einem zunächst relativ geringen Bestand in 2014 machte es allerdings schwierig, größere Stückzahlen für den Marktplatz zu gewinnen. Der Direktverkauf eines kleinen Kontingents von Fairphones scheiterte letztlich am unverhältnismäßigen Aufwand für die notwendige technische Anpassung.
Die Gespräche mit Fairphone haben aber ein insgesamt gutes Verhältnis zu diesem wichtigen Anbieter entstehen lassen, mit der festen Absicht, die Kooperation in 2015 weiter voranzubringen.

Weiterentwicklung des Kundenservice

In 2014 wurde der Kundenservice weiter ausgebaut und technische Lösungen und Prozesse für eine schnelle und effiziente Beantwortung von Kundenanfragen eingerichtet. Dabei wurden alle Bereiche des Teams einbezogen und jeweils Mitarbeiter*innen in der notwendigen Technologie geschult.

6. Marketing

In 2014 hatten wir das Marketing in zwei Phasen eingeteilt. Für die erste Hälfte des Jahres war geplant, das Marketing als Außenkommunikation hinter dem Gesamtfokus auf Produktentwicklung und interne Prozesse sowie den Ausbau der Genossenschaft zurückzustellen. Dennoch sollten durch einige Verbesserungen der Produktgestaltung und der Kommunikationskanäle zu unserer bestehenden Community (z.B. durch den Newsletter) eine leichte Steigerung der Nutzerzahlen und Umsätze erreicht werden. In der zweiten Hälfte des Jahres sollte dann der Fokus unserer Ressourcen auf das Marketing gesetzt werden, um eine starke Steigerung von Nutzerzahlen und Umsätzen zu erreichen. Wie im Grußwort erwähnt und in der Marktplatzentwicklung ablesbar, sind wir hinter diesen Zielen zurückgeblieben. Die parallele leichte Steigerung in der ersten Jahreshälfte hat nicht funktioniert. Aufgrund der Verzögerungen und Schwächen in den anderen drei Bereichen hat sich die Ausrichtung auf das breitere Marketing auf das vierte Quartal verlagert.

Start des Produktnewsletters

Im Frühjahr 2014 wurde der Produktnewsletter konzipiert, der interessierten Nutzerinnen aktuelle Informationen zu ausgewählten, spannenden Produkten liefert, jeweils zu einem speziellen Thema. Im Juni startete der Newsletter mit der ersten Ausgabe, seit dem erfreut er sich einer wachsenden Zahl von Abonnentinnen. Ein Archiv der Newsletter aus 2014 findet sich unter https://info.fairmondo.de/newsletter-archiv-2/.

Entwicklung einer neuen Marketingstrategie

Für die Umsetzung des breiteren Marketings in der zweiten Phase von 2014 wurde im Juli eine umfangreiche Marketingstrategie entwickelt. Als Orientierung diente die Vorgabe, gezielt Mittel einzusetzen, die möglichst wenig finanzielle Ressourcen erfordern und die unsere Stärken, insbesondere eine breite Community, gut nutzen. Die Strategie setzte das Ziel, durch gesteigerte Umsätze die Tragfähigkeit zum Ende des Jahres zu erreichen, und gab dafür mehrere Meilensteine über den fünfmonatigen Zeitraum vor. Der Maßnahmenkatalog umfasste eine Vielfalt von Aktivitäten und bezog teilweise andere Bereiche, insbesondere Vertrieb und Produktentwicklung mit ein. Für die Ausarbeitung wurden deshalb Mitarbeiter*innen aus allen Bereichen einbezogen. Die Strategie sah insbesondere eine neue Fokussetzung in der Zielgruppe vor, von bisher den „Nachhaltigkeitsinteressierten“, hin zu „regelmäßigen Online-Käuferinnen mit Gewissen“. Die geplanten Aktivitäten erstreckten sich von der Marketing-orientierten Produktoptimierung (Startseite, Marktplatzgestaltung), über konkrete Aktivitäten wie ein Affiliate-Programm, Verlosungsaktionen und ein Gutscheinprogramm, hin zu Kampagnen zur Erreichung einer breiteren Aufmerksamkeit. Ressourcenknappheit, Abstimmungsprobleme und Führungsfehler führten allerdings dazu, dass die Strategie nur teilweise umgesetzt wurde. So wurde das z.B. das Affiliate-programm erst Ende des Jahres in Angriff genommen, so dass keine Ergebnisse in 2014 zu erwarten waren.

Verstärkung des Marketingteams

Zur Umsetzung der Strategie stellten wir im August des Jahres ein Team von Online-Marketing-Spezialisten ein. Für die Koordination konnten wir endlich wieder einen Marketingleiter finden, der einen Hintergrund im Online-Marketing und insbesondere im Aufbau von Affiliate-programmen mitbrachte. Für die strategische Optimierung des Marktplatzes, insbesondere des Produktsortiments und der Startseite stellten wir einen erfahrenen Senior-Marketing-Manager ein. Eine Person wurde für Suchmaschinenoptimierung und klassische Instrumente wie Adwords eingesetzt. Leider zeigte sich schnell, dass letztere auch in kleinen Testrunden kaum Wirkung zeigten und nicht effizient waren. Ergänzt wurde das Marketing-Team durch einen Praktikanten, der ebenfalls Erfahrung mit Affiliate-programmen mitbrachte, sowie das bestehende Team aus einer Grafikerin, einer Presse- und Social-Media-Managerin und einer Redakteurin für Newsletter und Texte.

Verlosungen

Die Umsetzung des Verlosungskonzepts ist ein gutes Beispiel für die erwähnten Abstimmungs- und Führungsfehler. Anders als im Konzept vorgesehen, wurde zunächst kleine Verlosungen von Produkten über Facebook gestartet, die kaum messbare Effekt hatten. Auch im folgenden Schritt wurde das ursprüngliche Konzept nicht berücksichtigt und statt dessen eine Verlosung für neu eröffnete Nutzerkonten gestartet. Auch hier blieben messbare Effekte aus.

Umbenennung und Neupositionierung

2014 war auch das Jahr der Umbenennung aufgrund der markenrechtlichen Probleme mit dem ursprünglichen Namen Fairnopoly. Das Marketing war damit vor die besondere Herausforderung gestellt, die bisher erarbeitete Markenbekanntheit von Fairnopoly auf den neuen Namen zu übertragen. Zugleich nutzten wir die Umbenennung für die Ausarbeitung einer neuen Positionierung im Sinne der Marketingstrategie. Daraus entstand der neue Slogan „Gutes einfach entdecken“ sowie die entsprechende Umgestaltung des Marktplatzes.

Umbenennungskampagne

Um die Umbenennung als Chance zu nutzen, war eine intensive Umbenennungskampagne geplant. Für den Umbenennungstag am 10.10.2014 organisierten wir einen „Thunderclap“ in den sozialen Medien, der potentiell 92.636 Menschen erreicht hat. Im Vorfeld hatten wir mit einer kleinen Crowdfundingkampagne gut 5000 Euro speziell für die Umbenennung gesammelt und damit zugleich Aufmerksamkeit über die Plattform Startnext und darüber hinaus auf uns gezogen. Einer Pressmitteilung folgten diverse Aktivitäten zum Aufruf von Blogs, Presse und Netzwerken, um den Namen zu verbreiten. Mit der Kampagne ist es uns gelungen, den neuen Namen in der „breiteren Community“ bekannt zu machen. Es ist uns nicht gelungen, darüber hinaus neue (Medien-)Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen und dadurch auch Nutzerzahlen und Mitgliederzahlen zu steigern.

Pressearbeit

Für die Pressearbeit hatten wir im letzten Quartal eine externe Presseagentur beauftragt. Von Oktober bis Dezember ging jeden Monat eine gut vorbereitete Pressemitteilung raus, die von der Agentur über breite Kanäle gestreut wurde und auch online auf diversen Portalen platziert wurde. Leider war die Resonanz jeweils sehr gering.

Steigerung der Conversion Rate

Ein Erfolg der Marketing-Arbeit in der zweiten Hälfte von 2014 war die Steigerung der Conversion Rate, also das Verhältnis von Transaktionen pro eindeutigen Besuchern auf dem Marktplatz. Sie stieg von niedrigen 1,18% im September 2014 auf sehr vorzeigbare 3,98% im Dezember. Die lässt sich sicherlich zum Teil auf die marketing-orientierte Optimierung des Marktplatzes zurückführen und zum Teil auch auf das erfolgreiche Erreichen von Nutzer*innen mit Kaufinteresse. Die gesteigerte Conversion-Rate ist ein wichtiger Schritt, da sie darauf hindeutet, dass der Marktplatz einen vermarktbaren Zustand erreicht.

Weihnachtskampagne

Um das Weihnachtsgeschäft mitzunehmen hatten wir im November eine Kampagne unter dem Slogan „Die Alternative ist da!“ gestartet. Die Kampagne zielte darauf ab, möglichst vielen Online-Käufer*innen mit Gewissen gerade zur Weihnachtszeit zu vermitteln, dass sie ohne Komfort- oder Preisnachteilen Bücher nun versandkostenfrei bei Fairmondo bestellen konnten. Wir sich an den Besucher- und Umsatzzahlen in Abschnitt 2.1 ablesen lässt, hielt sich die Reichweite der Kampagne aber in Grenzen. Dennoch wird die klare Kommunikation und der Fokus auf die Sparte Bücher zur verbesserten Conversion-Rate beigetragen haben.

Fairmondo by Bike

Mit dem Ziel zumindest lokal Presseaufmerksamkeit zu erreichen, starteten wir relativ kurzfristig vor Weihnachten noch das Programm „Fairmondo by Bike“. Damit war es möglich, sich in Berlin auch noch kurz vor Weihnachten einige ausgewählte Produkte per Fahrradkurier zu bestellen. Auch hier blieb die erhoffte Presseaufmerksamkeit aus. Aufgrund der hohen Versandkosten und der sehr begrenzten Produktauswahl wurde das Angebot auch nicht weiter genutzt. Dennoch ist die Last-Minute-Aktion in die Idee der „Runde-Sache-Abos“ eingeflossen, die wir in 2015 gestartet haben.

Gutscheine

Ein wichtiges Element der Marketingstrategie waren Marktplatz-weite Gutscheine. Sie sollten als Weihnachtsgeschenke und im Rahmen einer eigenen Crowdfundingkampagne (Carrotmob) verbreitet werden. Für die Umsetzung stand aber die entscheidende technische Voraussetzung nicht: Die Einbindung eines Paymentsystems, das uns das Management der Gutscheine ermöglicht hätte. Trotzdem gelang es unserem Technischen Entwicklungsteam, auch kurzfristig eine Alternativlösung zu entwickeln. Und so konnten wir zumindest für unseren bis dahin wichtigsten Anbieter, den Ecobookstore mit beinahe 2 Millionen Bücher- und Medienartikel Gutscheine anzubieten. Auch diese haben zum signifikanten Anstieg der Umsätze im Dezember beigetragen.

Botschafterprogramm

Ein erfolgreicher Schritt in 2014 war die Umstrukturierung unseres Ehrenamtlichen-Programms. Mit Fokus auf das Unternehmensmodell hinter Fairmondo, der „Genossenschaft 2.0“, wurden mehrere Schulungen durchgeführt, in denen sogenannte „Genossenschaft 2.0-Botschafterinnen“ darin ausgebildet wurden, Vorträge zu dem Modell zu machen. Einige dieser Botschafterinnen haben mittlerweile lokale Botschaften aufgebaut, Teams von ehrenamtlichen Unterstützer*innen, die Fairmondo vor Ort voranbringen. Mehr dazu unter http://mitmachen.fairmondo.de/.

Gemeinwohlbilanz

Nicht zuletzt haben wir in 2014 unsere erste zertifizierte Gemeinwohlbilanz erstellt. In einer Peer-Evaluation haben wir gemeinsam mit vier weiteren Berliner Unternehmen anhand eines breiten Systems von Indikatoren unsere Wirkung auf das Gemeinwohl bilanziert. Damit haben wir uns sowohl der sehr unterstützenswerten Bewegung der Gemeinwohlökonomie angeschlossen, als auch für Fairmondo einen öffentlichkeitswirksam einsetzbaren Nachweis über unsere nachhaltige Ausrichtung erarbeitet. Mehr dazu unter https://www.fairmondo.de/contents/gwoe-bilanz.

Ausblick

2014 war ein anstrengendes Jahr für das gesamte Team, und im November waren wir gezwungen, uns stark zu verkleinern. Aus dieser Krise sind wir aber letztlich wieder gestärkt heraus gegangen, mit einem zwar kleineren, aber auch weniger konfliktbeladenen Team. Für 2015 haben wir unser Geschäftsmodell ergänzt, um schneller einen Zustand zu erreichen, in dem wir unsere Kosten decken können. Mit dem Abonnement-Programm wächst Schritt für Schritt ein weiteres Standbein heran, das sich zwar auch weiter kontinuierlich verbessern muss, aber bereits signifikante regelmäßige Einnahmen abwirft. Die Prozesse sind nun weitgehend eingerichtet, so dass wir auch dafür die breitere Werbung starten können. Aufgrund des reduzierten Budgets sind wir verstärkter auf ehrenamtliche Mitwirkung angewiesen, was zugleich eine Chance bietet. Schon jetzt hat sich unser Team mit frischer Kompetenz und frischer Motivation verstärkt, darüber hinaus wächst auch unser Netzwerk von ehrenamtlichen Unterstützer*innen. Um den Marktplatz weiterzuentwickeln und ihn mit einer breiteren Produktpalette auszustatten, werden wir noch einige Ressourcen benötigen. Erfreulicherweise hat uns die außerordentliche Generalversammlung von Anfang 2015 mit den Mitteln dafür ausgestattet, eine neue Mitgliederkampagne zu starten, sobald das Geschäft in der aktuellen, verkleinerten Konstellation konsolidiert ist. Mit der Zerlegung des Geschäftsanteils auf 10 Euro wird die Schwelle für die Mitgliedschaft stark gesenkt. Und durch die Erhöhung der Fair Founding Points können wir allen, die in der weiterhin anhaltenden Aufbauphase einsteigen, eine besondere „Risikoprämie“ bieten.
Schon jetzt möchten wir an die Steigerungen im Dezember 2014 anknüpfen, und Fairmondo mit dem nun fertig bereitstehenden Affiliate-Programm als alternativen Büchermarktplatz bewerben.

2014 war kein einfaches Jahr, wir haben Fehler gemacht und wir haben daraus gelernt. Wir freuen uns darauf, nun mit einer besser konsolidierten Basis und mit einer stärkeren Einbeziehung der Mitgliedschaft gemeinsam die nächste erfolgreiche Phase von Fairmondo einzuleiten.

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